Sicherer Umgang mit starken Gefühlen wie z.B. Ärger, Wut, Aggression...

Zunächst einmal die gute Nachricht. Aggression ist eine natürliche und nützliche Reaktion auf Angriffe. Egal ob diese verbaler Natur sind oder körperlicher. Wir brauchen den Adrenalinshock, um uns entweder zu verteidigen, zu flüchten oder sogar tot zu stellen. Unser Blutdruck steigt an, die Körperspannung nimmt zu, der Atem wird flach, wir bekommen einen Tunnelblick. Unsere Konzentration liegt darauf, schnell aus der Situation zu kommen.

Wütend und ärgerlich werden wir dann, wenn wir unsere Gedanken, Bewertungen und Urteile über jemanden oder eine Situation einbringen. Für Argumente und Vorschläge sind wir dann unempfänglich.

Und dennoch gibt es eine weitere gute Nachricht. Der konstruktive und sichere Umgang mit Aggression, Wut und Ärger ist lernbar. Lernen Sie in 5 Schritten, wie Sie in herausfordernden Situationen sicher handeln können.

5 Schritte-Anleitung zum Umgang mit wütenden, verärgerten, aggressiven Menschen.

 

1. Anerkennung der Notsituation/sicheren Rahmen schaffen
Wenden Sie sich der Person nehmen Sie Augenkontakt auf und halten Sie Abstand.

Sprechen Sie die Person mit Namen an, z.B. "Herr Wagner, ich höre, dass …"

 

2. Erste Hilfe-Empathie
Benennen Sie den Alarmzustand sprechen Sie ihn für Ihr Gegenüber aus, z.B. „Es reicht Ihnen wirklich?“, „Es steht Ihnen hier, oder?“, „Sie können nicht mehr“, „Brauchen Sie dringend eine Veränderung?“...

3. Gefühle benennen
Sie erreichen Ihr Gegenüber schneller, wenn Sie ihm signalisieren, dass Sie seine Gefühlslage erkennen. Daher mein Tipp: Benennen Sie die Gefühle und sprechen Sie die Person direkt an: „Sie sind richtig sauer …, Sie könnten die Wände hoch gehen“, „ Sie könnten Platzen vor Wut“... so lange, bis sich Ihr Gegenüber entspannt.

4. Bedürfnisse vermuten und benennen
Die Bedürfnisse sind der Motivator für unsere Handlungen. Sind dauerhaft Bedürfnisse unerfüllt, werden wir oft wütend, verärgert oder aggressiv. Daher ist es wichtig, das unerfüllte Bedürfnis zu vermuten und zu benennen.

 

Wenn Sie jetzt das dazu passende unerfüllte Bedürfnis der Person benennen, wird sie sich entspannen, z.B. „Sie brauchen Klarheit“, „Sie möchten, dass es voran geht“, „Sie möchten hier gesehen werden“

5. Konkretisierung
Gratulation. Sie haben es geschafft, Ihr verärgertes Gegenüber ist jetzt ruhig und wieder in der Lage „normal“ mit Ihnen zu sprechen. Jetzt ist der Moment erreicht, wo Sie in die Lösungsfindung gehen können.

  • Gehen Sie zurück zur auslösenden Situation „Wo genau erleben Sie das?“ „Was konkret frustriert Sie?“
  • Lenken Sie den Blick vom Mangel auf die Ressource „Was genau würde Ihnen in dieser Sache helfen?“

 

Mein Extratipp für Sie: Bleiben Sie bei allen 5 Schritten in einer fragenden und offenen Haltung. Geben Sie der wütenden verärgerten Person die Möglichkeit für sich selbst zu entscheiden, ob Sie "die Wände hochgehen“ möchte oder "die Schnauze voll hat“. Bieten Sie Bedürfnisbegriffe an und überlassen Sie es ihr, ob es das passende ist.

Nehmen Sie diese 5 Schritte als Wegweiser in einer Kommunikationssituation, die in einen Sturm geraten ist. Begleiten Sie sich und andere sicher durch diesen Gefühlssturm hin zu einer ruhigen und vertrauensvollen Gesprächsatmosphäre.

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