Der Feedback-Burger: Das Geheimnis von wertschätzendem Feedback

„Frau Schulze, Ihre Onlinewissensdatenbank ist echt scheiße“ O-Ton eines ehemaligen Vorgesetzten über eine von mir erstellte Wissensdatenbank, die wir im Intranet für andere Mitarbeiter veröffentlichen wollten. Dieses vernichtende Urteil über meine Arbeit schockierte mich zutiefst. Es führte dazu, dass wir uns lautstark stritten und es eine Weile brauchte, bis wir wieder in der Lage waren uns normal zu begegnen.

Der Feedback-Burger.

 

Wirklich konstruktives Feedback geben ist lernbar. Vielleicht haben Sie schon einmal vom Feedback-Burger gehört? Die Idee des Feedback-Burgers ist diese: Sagen Sie erst etwas positives, dann etwas kritisches und enden Sie wieder mit einer positiven Aussage. Würzen Sie den Feedback-Burger mit den Zutaten der Gewaltfreien Kommunikation, dann ergibt sich ein Feedback, das allen schmeckt.

Feedback-Zutatenliste

Eine Beobachtung
Beziehen Sie sich auf Zahlen, Daten und Fakten. Beschreiben Sie ganz konkret, was Sie sehen, zählen, fühlen, riechen oder schmecken können. Dann erfährt die Person, auf was ganz konkret Sie sich beziehen. Das können auch Kleinigkeiten sein.


Eine große Prise Gefühl
Sagen Sie, wie es Ihnen damit geht. Sind Sie möglicherweise verwirrt, weil Sie etwas nicht verstehen oder Ihnen etwas fehlt? Oder freuen Sie sich, weil die Farbgestaltung so ansprechend für Sie ist?


je nach Gusto ein paar Bedürfnisse

Vermengen Sie das ganze mit Ihren erfüllten oder unerfüllten Bedürfnissen und lassen Sie den anderen daran teilhaben. Geht es Ihnen um Ordnung und Struktur, damit Sie verstehen können, was dieses Dokument Ihnen sagen will? Brauchen Sie mehr Klarheit, damit Sie die technischen Funktionen nutzen können? Erfüllt Ihnen das Produkt schon ein Bedürfnis? Vielleicht das nach Effizienz? Benennen Sie das Bedürfnis unbedingt. Sie schaffen damit die Möglichkeit des gegenseitigen Verständnisses.

Hier finden Sie eine Auswahl von Bedürfnissen: Ruhe, Ordnung/Struktur, Wertschätzung, Sinnhaftigkeit, Selbstbestimmung, Wirksamkeit/Effizienz, Unterstützung ...

 


eine positive, machbare und konkrete Bitte

Garnieren Sie Ihr Feedback mit einer konkreten, machbaren und positiv formulierten Bitte. So erhält die andere Person die Möglichkeit etwas zu verändern und weiß auch gleich wie. Sagen Sie zum Beispiel. „Verwenden Sie bitte Überschriften und die Dokumentenstruktur wird für den Leser erkennbar.“


Nehmen Sie von jeder Zutat etwas wie im Rezept beschrieben. Vermischen Sie das ganze in einer Aussage. Voilà ein schmackhaftes und bekömmliches Feedback ist entstanden.


Und wie gelingt es Ihnen, das Feedback anzunehmen?
Auch das ist lernbar. Lesen Sie weiter und Sie erhalten vier Tipps, wie Sie „negatives“ Feedback annehmen können, ohne sich in Diskussionen zu verstricken oder sich zu rechtfertigen.

  1. Hören Sie aufmerksam zu.
  2. Fragen Sie nach, wenn inhaltlich etwas unverständlich für Sie war.
  3. Vermeiden Sie Rechtfertigungen und Erklärungen.
  4. Bedanken Sie sich statt dessen für das Feedback.

 

Schützen Sie sich vor gut gemeinten, jedoch unerwünschten Feedbacks und Ratschlägen. Feedback geben ist eine freiwillige Angelegenheit. Auf beiden Seiten. Wenn Sie Feedback haben möchten, bitten Sie darum. Wird Ihrer Bitte nachgegeben, dann ist dies ein freiwilliger Akt des Feedbackspenders.

 

Und wenn Sie unfreiwilliges Feedback bekommen? Dann liegt es in Ihrer Verantwortung, es abzulehnen. Sie können zum Beispiel sagen: „Nein danke, im Moment möchte ich noch kein Feedback. Aber wenn ich welches brauche, komme ich gerne auf Dich zu.“

 

Echtes Feedback ist Wertschätzung und Unterstützung in einem. Sie lassen die gefeedbackte Person wissen, wie das Werk Ihr Leben bereichert. Gleichzeitig geben Sie ihr die Unterstützung das Werk so zu verändern, dass es eine noch größere Bereicherung auch für andere werden kann.  Dies geschieht durch Ihre direkte und konkrete Aussage.

 

Und wie hätte es mein Chef damals wertschätzender formulieren können?

„Frau Schulze, ich sehe, Ihre Wissensdatenbank ist ganz schön umfangreich. Sie besteht aus 10 verschiedenen Kapiteln (Beobachtung). Ich finde mich nicht zurecht, mir fehlt die Struktur (Bedürfnis) und das irritiert mich (Gefühl). Können Sie mir jetzt die Struktur des Dokuments erklären? (Bitte) Klarere Überschriften würden mir helfen, die Wissensdatenbank zu verstehen und auch zu nutzen (Bedürfnis). Können Sie die Überschriften nochmals überarbeiten? (Bitte)“

 

Verwenden Sie diese Feedbackzutaten und Sie können sicher gehen, dass Ihr Feedback in vollen Zügen genossen wird.

 

Lassen Sie es sich schmecken. Ihre Birgit Schulze

Bildquelle: www.pixabay.com


Mit viel Leidenschaft und noch viel mehr Expertenwissen entwickele ich fließende Kommunikation für junge, schnell wachsende Unternehmen. Mit individuellen Konzepten gestalte ich gemeinsam mit Ihnen Ihre unternehmenseigene Streitkultur.

 

Meine langjährige Erfahrung und mein Wissen als Trainerin für Gewaltfreie Kommunikation, Wirtschaftsmediatorin, Reklamations- und Beschwerdemanagerin, teile ich mit Ihnen in meinem Blog oder gerne live in Workshops und Vorträgen.

 

Möchten Sie mehr erfahren? Sprechen Sie mich an oder schreiben Sie mir:

Telefon: 0 61 51 / 27 38 17

Email: Birgit Schulze


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Kommentare: 2
  • #1

    Hanspeter Lanz (Dienstag, 08 Juli 2014 11:06)

    Schön! Ich könnte es nicht schöner formulieren und bebildern.
    Hanspeter Lanz, Wirtschaftsmediator (IHK), Mediationsbüro Frankfurt

  • #2

    Birgit Schulze (Dienstag, 08 Juli 2014 11:11)

    Hallo Herr Lanz, ja und es hat sehr viel Spass gemacht. Danke für Ihr Feedback ;)
    Liebe Grüße aus Darmstadt