Mediation: nix für Esel

Zwei Esel streiten sich darüber, welcher Heuhaufen besser schmeckt und von welchem Heuhaufen zu erst gegessen wird. Beide sind am Schwanz mit einander verbunden, so dass der eine nicht ohne den anderen kann. Sie streiten sich und ziehen und zerren. Jeder sieht nur seinen Heuhaufen und riecht das leckere schmackhafte Heu. Sie kommen einfach nicht von der Stelle.

 

Wenn sich zwei streiten, da braucht es manchmal eine Dritte, die vermittelt. Eine Mediatorin.

Und was genau macht eine Mediatorin?

Als Mediatorin vermittele ich zwischen den Parteien. Ich unterstütze die Konfliktparteien dabei, sich wieder für die Gegenseite zu öffnen und damit gleichzeitig offen für neue, andere Wege aus dem Konflikt zu werden. Dabei spielt meine eigene Meinung und Sicht auf den Konflikt keine Rolle. Ich bin absolut allparteilich und lösungsoffen.

Wie sieht ein Mediationsverfahren aus?
Ein Mediationsverfahren läuft in verschiedenen Phasen ab. Es ist ein strukturiertes Verfahren. Durch diese Struktur gewährleistet es, dass alle Seiten mit ihren Anliegen gehört werden und diese sichtbar gemacht werden.  Hier finden Sie einen Überblick über die Phasen:

  • Herstellung des sicheren Rahmens alle Beteiligten
  • Erhebung und Priorisierung der Themen
  • Darstellung und Erhellung der Sichtweisen
  • Entwicklung von Lösungsvorschlägen und schließlich
  • Gestaltung gemeinsamer Vereinbarungen.

Die Phasen werden durchaus in Schleifen durchlaufen. Da kann es schon einmal vorkommen, dass die Phase der Lösungsvorschläge bereits erreicht wurde und der Konflikt noch einmal aufflammt. Dann heisst es zurück zur Phase der Darstellung und Erhellung. Es wird jeder gehört und alle haben das Recht auszureden. Wichtig ist es, durch das Nadelöhr der Verständigung zu gelangen (vgl. Oboth/Seils: Konfliktklärung in Gruppen und Teams, Junfernmann Verlag). Dies gelingt erst, wenn alle Gefühle und unerfüllten Bedürfnisse der Beteiligten zu dem Konflikt auf dem Tisch liegen. Dieser Prozess erfolgt in der Regel in der Phase der Darstellung und Erhellung. Erst danach sind die Beteiligten in der Lage über Lösungsvorschläge nachzudenken, die die Bedürfnisse aller berücksichtigen.

Als Mediatorin übersetze ich die Vorwürfe, Anschuldigungen und Kritik der Beteiligten in Gefühle und Bedürfnisse. Aus meiner Sicht ist das der Schlüssel zum Gelingen. Wenn die Beteiligten, die hinter den Handlungen liegenden Gefühle und Bedürfnisse erkennen, entsteht eine erste Verbindung zwischen ihnen. Durch die Sicherheit, dass alle mit Ihren Anliegen gehört werden können, stärkt sich das Verbindungsband. Erstes Vertrauen kann wieder entstehen.

Gestützt wird ein Mediationsverfahren durch die Verfahrensgrundsätze: Allparteilichkeit der Mediatorin, Freiwilligkeit aller Beteiligten, Lösungsoffenheit, Transparenz zum Verfahrensablauf und aller notwendigen Informationen und natürlich der Vertraulichkeit. Denn anders als bei einem Gerichtsverfahren, dass ein öffentliches Verfahren ist, gilt hier absolute Vertraulichkeit für alle Beteiligten. Das geht so weit, dass die Mediatorin auch nicht als Zeugin in möglichen nachfolgenden Gerichtsverfahren geladen werden darf bzw. dort von Ihrem Schweigerecht Gebrauch machen darf.

Wem nützt eine Mediation?

Eine Mediation ist immer dann von Vorteil, wenn langfristig angelegte Beziehungen durch einen ungelösten Konflikt belastet werden. Im privaten Bereich betrifft dies zum Beispiel Eheleute, nachbarliche Beziehungen oder Erbschaftsangelegenheiten. Im wirtschaftlichen Bereich profitieren Unternehmen von Mediation bei ungelösten Konflikten zwischen Mitarbeitern, zwischen Abteilungen und Teams, auch innerhalb von Teams oder sogar bei bereits langandauernden Kundenbeziehungen. Ebenso ist es denkbar bei Firmenübernahmen oder Unternehmensnachfolgen aufkommende Konflikte durch die Unterstützung einer Mediatorin zu klären. 

Mein Ansatz

Es gibt verschiedene Mediationsschulen. Ich bevorzuge den Ansatz der Gewaltfreien Kommunikation (GFK). Es ist für mich die wirkungsvollste Möglichkeit einen Konflikt so beizulegen, dass die Bedürfnisse aller berücksichtigt werden. Und mehr noch. Es geht bei einem Mediationsverfahren, das auf Basis der GFK geführt wird, nicht um die Schuldfrage und damit darum, Beschämung und Reue herbeizuführen. Vorrangigstes Ziel ist es aus meiner Sicht, die Verbindung zwischen den Beteiligten wieder herzustellen und zu stabilisieren. Dadurch können sie sich für die Gegenseite öffnen, deren Anliegen hören und nachvollziehen und am Ende eine gemeinsame Lösung erarbeiten.

Einen erhobenen Zeigefinger oder gar belehrende Sprüche seitens der Mediatorin sind aus meiner Sicht wenig zielführend. Das bringt Beteiligte eher dazu, sich in Schuld und Schamgefühlen zu verstricken, die eine nachhaltige Lösung des Konfliktes verhindern.

Man braucht kein Esel zu sein, um zu verstehen, dass einvernehmliche Lösungen die sind, die uns am ehesten gemeinsam weiterbringen. Manchmal braucht es eben Unterstützung bei der Lösungsfindung, weil so viel Wut und Ärger oder auch Trauer und Enttäuschung mitschwingen. 

 

Die Esel haben übrigens auch einen Weg gefunden, wie sie beide satt werden können. Irgendwann saßen sie ratlos am Boden und kamen ins Überlegen. Schließlich ging ihnen ein Licht auf. Sie stellten fest, wenn wir uns zusammen tun und zuerst zu dem einen Heuhaufen gehen und dort das Heu fressen und dann zum anderen Heuhaufen, dann geht das ohne Stress und Streit. Und sie erfüllten sich sogar zusätzlich das Bedürfnis nach Gemeinschaft und Beitragen. Vielleicht steckte in einem der Heuhaufen etwas, das in dem anderen nicht enthalten war. So kamen die beiden auf eine einvernehmliche Lösung, die gleichzeitig sogar ihr Leben bereicherte.

 

Bildquellen: www.pixabay.com, www.fotolia.com und Birgit Schulze


Mit viel Leidenschaft und noch viel mehr Expertenwissen entwickele ich fließende Kommunikation für junge, schnell wachsende Unternehmen. Mit individuellen Konzepten gestalte ich gemeinsam mit Ihnen Ihre unternehmenseigene Streitkultur.

 

Meine langjährige Erfahrung und mein Wissen als Trainerin für Gewaltfreie Kommunikation, Wirtschaftsmediatorin, Reklamations- und Beschwerdemanagerin, teile ich mit Ihnen in meinem Blog oder gerne live in Workshops und Vorträgen.

 

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