So entkommen Sie der "Ja, aber Falle"

Zwei Kollegen unterhalten sich über die weitere Vorgehensweise im Projekt:

 

Herr Kampf: "Also ich bin der Meinung, wir rufen jetzt erstmal den Kunden an und klären gemeinsam mit ihm,

ob er es in dieser Version schon testen möchte."

Frau Hund: "Ja, aber ich möchte dazu nochmal sagen, dass wir gerade erst im Teststadium sind."

Herr Kampf: "Ja, aber das ist es doch gerade. Wir rufen den Kunden an und fragen ihn, ob er es schon testen möchte."

Frau Hund: "Ja, aber geht doch noch gar nicht, denn der Kunde kann doch kein Versuchkaninchen sein!"

 

Herr Kampf: "Ja, aber irgendeiner muss es doch testen. Frau Sorglos, ich sage doch nur, dass wir es dem Kunden

zum Testen anbieten."

Frau Hund: "Ja, aber Sie wollen das immer den Kunden überlassen und wir haben hinter her die ganze Arbeit."

Herr Kampf: "Ach ja, die ganze Arbeit sagen Sie? Ja, aber wer macht denn hier den ganzen Kram und sitzt abends bis um Uhr."

Frau Hund: "Ja, aber da hat Sie doch keiner drum gebeten!"

 

Halt. Stopp. Aus.

 

Kennen Sie das? Sie sprechen mit jemandem, wollen einfach in Ruhe etwas besprechen und zack, schon führen Sie eine Streitdiskussion, die weit entfernt ist vom eigentlichen Thema. Und schon sitzen Sie in der Falle. In der "Ja, aber Falle".

 

Dabei wollten Sie Ihren Standpunkt deutlich machen und mitteilen, was Ihnen wichtig ist. Ihr Gesprächspartner beginnt seine Rückmeldung mit dem  Fallstrick, "ja aber ..." Dieses "ja, aber" lädt uns direkt dazu ein, in den Widerstand zu gehen, mit Argumenten um uns zu schlagen und dem anderen den eigenen Standpunkt mal so richtig deutlich zu machen.

 

Übersehen wird dabei meist, dass der Gesprächspartner auf genau dem selben Weg versucht, seinen Standpunkt deutlich zu machen. Ohne, dass er Ihnen und Ihrem Anliegen Gehör schenken kann. Er kann Sie nicht hören, weil Sie ihn auch nicht hören können. Das heisst, Sie sind beide taub für den anderen.

Klingt fast nach einer ausweglosen Situation, oder? Nein ist sie nicht. Sie können getrost aufatmen. Es gibt ein Entkommen aus dieser Falle. Nutzen Sie das Zauberwort "GLEICHZEITIG" und verbinden Sie es mit dem folgenden Tipp.

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Nutzen Sie das Zauberwort: GLEICHZEITIG

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Das Wort GLEICHZEITIG wirkt Wunder. Denn es verändert Ihre Situation schlagartig. Wenn Sie das "ja, aber" durch ein "gleichzeitig" ersetzen, dann darf die eine Aussage gleichzeitig und gleichberechtigt neben der anderen Aussage stehen bleiben.

Und jetzt noch der Tipp: Wiederholen Sie die Aussage Ihrer Gesprächspartnerin, bevor Sie Ihre eigene Aussage machen. Wiederholen Sie im Fragemodus und warten Sie ein Zustimmungszeichen ab. Das kann ein Kopfnicken, ein Lächeln oder einfach nur ein "hmmm" sein, das Sie von ihr wahrnehmen. Und dann erst leiten Sie Ihr Anliegen mit dem Wort "gleichzeitig" ein.

 

Warten Sie ab, wie sie reagiert. Wiederholen Sie dann diesen Tipp einfach immer wieder. Wiederholen Sie in Ihren Worten, was Sie von Ihrer Gesprächspartnerin gehört haben und ergänzen Sie Ihr Anliegen durch die Einleitung "gleichzeitig".

 

Erwarten Sie nicht, dass Ihre Gesprächspartner dies auch für Sie tun. Beginnen Sie und freuen Sie sich, wenn Sie damit eine Diskussion in fruchtbare und verbindende Bahnen lenken. Ihre Gesprächspartner werden es Ihnen künftig danken.

 

 

Zurück zur Projektteamsitzung und zu Frau Hund und Herrn Kampf...

 

Herr Kampf: "Also ich bin der Meinung, wir rufen jetzt erstmal den Kunden an und klären gemeinsam mit ihm, ob er es in dieser Version schon testen möchte."

Frau Hund: "Sie sind der Meinung, dass wir den Kunden fragen, ob er jetzt schon testen möchte? Gleichzeitig habe ich da Bedenken, denn er könnte sich wie ein Versuchkaninchen vorkommen."

Herr Kampf: "Sie haben Bedenken, dass er sich wie ein Versuchskaninchen vorkommt, ist das so? Gleichzeitig ist es mir wichtig weiter zu kommen, denn der Kunde weiss ja schließlich am besten wie er das Produkt nutzt."

Frau Hund: "Ah, verstehe, Ihnen geht es darum, dass der Kunde durch den Test auf mögliche Schwachstellen aufmerksam macht? Ist das so?"

Herr Kampf: "Ja, genau das ist mir wichtig."

 

to be continued ...

 

Hörten Sie den Unterschied? Die beiden haben sich über genau das unterhalten, was ihnen wichtig ist und worum es geht. Sie konnten sich austauschen und haben eine Verbindung zwischen sich geschaffen. Sie konnten dabei sogar ihre unterschiedlichen Standpunkte ansprechen, ohne dass es hierbei zu einer Streitdiskussion gekommen ist.

 

Diese Übung hilft Ihnen dabei, mit Ihren Gesprächspartnern in Verbindung zu kommen und zu bleiben. Das zentrale Anliegen von Kommunikation ist doch in Verbindung zu sein, oder? Stellen Sie sich in plötzlichen hitzigen Diskussionen ruhig die Frage: Will ich hier Recht haben? Oder will ich in Verbindung bleiben?

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Wenn Sie in Verbindung bleiben wollen, wiederholen Sie einfach das vorher gesagte
und leiten Sie Ihr Anliegen mit dem Zauberwort "GLEICHZEITIG" ein.

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Psssst, verraten Sie es ruhig weiter ....


Bildquelle: www.pixabay.com


Birgit Schulze - Die Wirtschaftsmediatorin

Mit viel Leidenschaft und noch viel mehr Expertenwissen entwickele ich fließende Kommunikation für junge, schnell wachsende Unternehmen. Durch individuelle Konzepte gestalte ich gemeinsam mit Ihnen Ihre unternehmenseigene Streitkultur.

 

Meine langjährige Erfahrung und mein Wissen als Trainerin für Gewaltfreie Kommunikation, Wirtschaftsmediatorin, Reklamations- und Beschwerdemanagerin, teile ich mit Ihnen in meinem Blog oder gerne live in Workshops und Vorträgen.

 

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