Berge, Meer und Gewaltfreie Kommunikation. Was hat das eine mit dem anderen zu tun?

Zuerst das Meer und die Berge ...

Stellen Sie sich ein Ehepaar vor. Beide möchten gemeinsam Urlaub machen und sich dabei ihr Bedürfnis nach Ruhe und Gemeinschaft erfüllen. Sie will ans Meer. Er in die Berge. Ein einfaches Beispiel dafür, an dem Sie sehen, dass es unterschiedliche Wege gibt, wie wir uns unsere Bedürfnisse erfüllen. Worüber streitet das Ehepaar? Über die Ruhe und Erholung, die sie brauchen? Darüber, dass die beiden gemeinsam ihren Urlaub verbringen möchten? Oder darüber, ob sie nun ans Meer oder in die Berge fahren? Ich glaube Sie streiten über Meer und Berge. Sie auch?

Natürlich haben wir unsere Lieblingsstrategien, um unsere Bedürfnisse zu erfüllen. Auch Ihre Mitmenschen haben solche. Manchmal braucht es nur eine kleine Erinnerung, dass es auch andere Wege gibt, um dieses Bedürfnis zu erfüllen. Das setzt allerdings voraus, dass wir uns darüber klar sind, welches Bedürfnis wir uns gerade erfüllen möchten.

Die Erfüllung unserer Bedürfnisse ist die Motivation für unser Handeln. Eine der Grundannahmen in der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) besagt, dass alle Menschen auf der Welt die selben Bedürfnisse haben, z. B. Ruhe, Sicherheit, körperliches Wohlbefinden, Selbstbestimmung, Gesehen werden, Wertschätzung, Freude, Trauer, um nur einige davon aufzuzählen. In unserem Beispiel geht es um die Bedürfnisse Ruhe und Gemeinschaft.

... dann die Gewaltfreie Kommunikation ...

 

Und was ist jetzt Gewaltfreie Kommunikation (GFK)? Die GFK ist ein Verständigungsprozess, der uns hilft Beziehungen auf Basis gegenseitiger Achtsamkeit und Wertschätzung zu führen. Dabei entstehen Lösungen, die die Bedürfnisse aller im Blick haben.

Kommunikation ist ein scharfes Schwert, mit der Gefahr sich selbst zu verletzen.

Und was hat Kommunikation mit Gewalt zu tun fragen Sie sich jetzt vielleicht?
Kürzlich erfuhr ich in einem Vortrag, dass verbale Verletzungen die selben Schmerzzentren im Gehirn stimulieren, wie körperliche. Das bedeutet doch dann: Das Gewalt auch durch Worte ausgeübt wird. Ein wunderbares Zitat eines netten Kollegen, dass dieses Forschungsergebnis unterlegt füge ich hier für Sie an: „Kommunikation ist ein scharfes Schwert, mit der Gefahr sich selbst dabei zu verletzen.“

Es geht in der GFK zum einen um den achtsamen und respektvollen Umgang mit Sprache. Welche Worte wir wählen und wie wir mit uns selbst und unseren Mitmenschen sprechen. Gleichzeitig geht es in der Gewaltfreien Kommunikation um die innere Haltung, mit der wir uns und unseren Mitmenschen begegnen.

So hat Marshall B. Rosenberg, der Begründer der Gewaltfreien Kommunikation gesagt:

"Bei der GFK geht es um Worte. Bei der GFK geht es nicht um Worte. Es geht um die Haltung, aus der wir heraus handeln."

... und jetzt: Ab in den Urlaub!

Erinnern Sie sich noch an das Ehepaar? Beide wollen gemeinsam Urlaub machen und sich das Bedürfnis nach Ruhe erfüllen. Sie will ans Meer und er in die Berge.

Ich habe zufällig mitbekommen, wie sich die beiden geeinigt haben und sich dabei ganz ohne Streit und Ärger das Bedürfnis nach Ruhe und Gemeinschaft erfüllen. Und wie sie das hinbekommen haben, das lesen Sie hier:

Sie: "Schatzi, ich möchte im Urlaub mit Dir gemeinsam ans Meer  nach Spanien fahren. Da kann ich so herrlich entspannen und mich ausruhen. (Bedürfnis)"

Er: "Mausi, ich freue mich, dass Du mit mir gemeinsam fahren möchtest. Gleichzeitig will ich nicht schon wieder ans Meer, da waren wir doch erst letzte Ferien. Ich möchte so gerne in die Alpen. Beim Wandern und der guten Bergluft kann ich so richtig ausruhen.(Bedürfnis)"

Sie: "Echt, Du kannst beim Wandern ausruhen? Das ist doch total anstrengend. Aber sag mal, möchtest Du überhaupt mit mir in Ferien fahren?"

Er: "Ja, auf jeden Fall möchte ich mit Dir gemeinsam fahren."(Bedürfnis)

Sie: "Schatzi, wenn wir gemeinsam unseren Urlaub verbringen, dann möchte ich gerne auch was machen, bei dem wir uns beide gut erholen können. Wie ist das für Dich?"

Er: "Ja das klingt gut, scheint ja für uns beide wichtig zu sein, dass wir uns erholen und Ruhe haben ..."

 

Beide überlegen ein bisschen.

 

Er: "Mausi, Du möchtest also gerne am Strand liegen, lesen und die Nase in die Sonne halten. Und ich würde so gerne wandern und die gute Bergluft genießen. Was hälst Du davon, wenn wir wohin fahren, wo wir beides haben können? Zum Beispiel am Gardasee? Da könnten wir an einem Tag am Strand liegen, am anderen Wandern und am Dritten sogar noch was ganz anderes unternehmen."

Sie: "Oh Schatzi, das klingt ja wunderbar. An den Gardasee wollte ich doch schon immer mal. Da können wir wandern, faulenzen und sogar noch lecker essen, klingt traumhaft. Dann pack Du schon einmal die Koffer, damit ich mich ab jetzt erholen kann."

Reise gut - alles gut? Bestimmt. Schatzi und Mausi haben es geschafft, eine Lösung zu finden, die sich an ihren Bedürfnissen orientiert, ohne dabei auf ihren persönlichen Vorlieben zu beharren.

 

Also dann: Gute Fahrt.

 

Bildquellen: Birgit Schulze und Pixabay


Mit viel Leidenschaft und noch viel mehr Expertenwissen entwickele ich fließende Kommunikation für junge, schnell wachsende Unternehmen. Mit individuellen Konzepten gestalte ich gemeinsam mit Ihnen Ihre unternehmenseigene Streitkultur.

 

Meine langjährige Erfahrung und mein Wissen als Trainerin für Gewaltfreie Kommunikation, Wirtschaftsmediatorin, Reklamations- und Beschwerdemanagerin, teile ich mit Ihnen in meinem Blog oder gerne live in Workshops und Vorträgen.

 

 

 

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Email: Birgit Schulze


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