Zufrieden ins Büro - Das Blog

Hier blogge ich zu den Themen Konfliktmanagement, wertschätzende Kommunikation und mehr Zufriedenheit im Berufsalltag auf Basis der Gewaltfreien Kommunikation.

7 Gründe, warum dich der sichere Umgang mit starken Gefühlen ab sofort zufrieden ins Büro gehen lässt

Bildquelle: Birgit Schulze
Bildquelle: Birgit Schulze

Von Teilnehmenden meiner Seminare werde ich am häufigsten gefragt, was sie tun können, wenn ein Kollege, eine Kundin oder die Vorgesetzte ausflippt. Daraus schließe ich, dass die meisten Menschen sich in solchen Situationen nicht sehr wohl fühlen oder sogar Angst davor haben. Und weil ihnen klar ist, dass Angst eher hemmt als sie weiter zu bringen, sind sie auf der Suche nach Lösungen.

 

Vielleicht geht es dir ja auch so. Denn schließlich bist du ja kein Kaninchen, das vor einer Schlange zittern muss. Behalte im Kopf: solche Gesprächssituationen finden niemals auf Augenhöhe statt.

Also was bringt es dir, wenn du weisst, wie du mit jemanden umgehen kannst, der gerade (verbal) total ausflippt?

Lies weiter und du findest 7 gute Gründe, warum der sichere Umgang mit starken Gefühlen im Büro hilfreich, wenn nicht sogar notwendig aber auf jeden Fall wirkungsvoll für ein respektvolles Miteinander ist.

1. Es gibt dir Sicherheit.

Denn du kannst sicher sein, auch in herausfordernden Situationen Ruhe zu bewahren. Wut und Ärger kommen in den besten Büros vor. Sicher auch manchmal in deinem. Ich weiss, das ist ein heikles Thema. Denn solche Situationen hängen einem doch ziemlich nach. Und beschäftigen einen noch Stunden später.

 

Und warum? Weil wir es nicht geschafft haben, den anderen ruhig zu stellen. Weil wir es nicht geschafft haben, dem anderen mal so richtig die Meinung zu sagen. Weil wir Angst hatten. Und weil uns im Nachgang oftmals noch selbst Vorwürfe dazu machen.

2. Du hast Klarheit.

Denn du weisst genau, was zu tun ist. Wenn du weisst, wie du aufgebrachten, tobenden Menschen empathisch begegnen kannst, brauchst du keine Angst mehr zu haben. Du weisst, was du tun und sagen kannst, um das "HB-Männchen " zu erreichen.

 

Denn jetzt kennst du eine sichere Methode, um auf den anderen so einzugehen, dass er runter kommt. So findet er dank deiner Unterstützung Wege, aus der Wut auszusteigen. Und er jetzt offen ist für neue Lösungen, die ihn jetzt ganz konkret weiterbringen.

3. Du hälst den Kontakt.

Denn du stellst eine hilfreiche Verbindung zu dieser Person her. Sie hat die Verbindung nämlich verloren. Zu sich und zu ihrer Umwelt. Sie steckt in ihren Gedanken, Bewertungen und Interpretationen fest. Sie kann nicht anders, denn sie hat solche oder ähnliche Situationen schon soooo oft erlebt, dass jetzt eine Grenze erreicht ist. Durch den Wutausbruch signalisiert sie: Stopp, halt nicht weiter, eben ist für mich eine Grenze erreicht.

Selbstverständlich ist dies keine dienliche Strategie, um auf die eigenen Grenzen hinzuweisen. In der Regel, geht die Umwelt in Deckung, rennt weg oder greift an. Das wiederum führt nicht zur Verbindung und Kooperation, sondern zum Abbruch oder zur Eskalation. Und das, erleben wir immer wieder.

Daher ist es hilfreich, respektvolle Deeskalationswege zu gehen. Gemeinsam. Das stellt Verbindung wieder her und ermöglicht eine vertrauensvolle weitere Zusammenarbeit.

4. Du bleibst in deiner Ruhe.

Denn du kreierst eine friedliche Arbeitsatmosphäre, auch für deine Kolleginnen. Ja, das ist tatsächlich so. Wenn du eine hilfreiche Strategie hast, wie du mit einer solch herausfordernden Siatuation umzugehen weißt, kannst du ganz entspannt bleiben. Du hast die Sicherheit, dass nichts passieren kann. Im schlimmsten Fall wütet die andere Person weiter vor sich hin.

 

Im besten Fall jedoch gelingt es dir, eine vertrauensvolle und kooperative Arbeitsamtosphäre zu kreieren, in der sich alle wohlfühlen. Klingt das nicht total beruhigend?

5. Du bietest Rückendeckung für deine Kollegen.

Denn ihnen geht es vermutlich genauso. In der Regel haben sie keine nützliche Strategie, um einen überkochenden Menschen auf respektvolle Weise herunter zu holen. Hilflos stehen sie vor der Situation. 

 

Hilflosigkeit und Angst lassen uns evolutionsgemäß in Schockstarre verfallen, wir  flüchten oder ziehen aktiv in den Kampf. Alles Strategien, die uns in der Steinzeit unser Überleben gesichert haben. Heute ist unsere Höhle mal unser Büro oder auch unser Zuhause und dort gibt es zeitgemäßere Wege, der Wut oder dem Ärger zu begegnen.

6. Du trägst bei.

Denn du unterstützt den Wüterich beim Gesicht wahren. Kein Mensch flippt gerne aus. Schon gar nicht gerne vor anderen. Dass es trotzdem passiert hat Gründe. Vermutlich kocht dieser Mensch schon länger vor sich hin, versucht seit einiger Zeit auf sich, seine Ideen oder Anliegen aufmerksam zu machen.

 

Fakt ist: all das wird nicht gesehen und führt dazu, dass diese Person überkocht. Wenn du in der Lage bist, diesen Ärger zu verwandeln, dann schützt das vor Gesichtsverlust und destruktiven Gefühlen wie Schuld und Scham. Erfahrungsgemäß versinken Menschen nach einem heftigen Gefühlsausbruch nämlich genau dort. In Schuld und Scham.

7. Du löst mit großer Wahrscheinlichkeit einen tiefsitzenden Konflikt für dein Team.

Denn vermutlich leidest nicht nur du unter diesem Wutausbuch. Es ist sehr wahrscheinlich, dass das ganze Team solche Gefühlsgewitter fürchtet. Die Sorge, da könnte einer ausflippen, hemmt alle. Diese Sorge schwebt wie ein unsichtbares Damoklesschwert über euch.

 

Die Folge ist, dass Diskussionen vermieden, Entschiedungen vertagt oder Scheinlösungen erarbeitet werden, die die Wut bzw. den Ärger weiter anheizen. Und irgendwann, womöglich genau dann, wenn keiner damit rechnet: BÄM, platzt es heraus.

 

Der aktive und respektvolle Umgang mit diesem Wutausbruch ermöglicht es, Lösungen zu finden, die die Bedürfnisse aller im Blick haben.

Fazit.

Wenn du weisst, wie du einem wütenden Kunden, einem aufbrausenden Kollegen oder einer verärgerten Vorgesetzten souverän begegnest, 

  • trägst du aktiv zu einem respektvollen Miteinander bei,
  • erschaffst deinem Arbeitsumfeld und dir selbst eine angenehme Arbeitsatmosphäre und
  • löst ganz nebenbei tiefsitzende Konflikte, die euch in eurer Arbeitsbeziehung immer wieder behindert haben.

Und durch den sicheren Umgang mit starken Gefühlen ermöglichst du dir und deinem Umfeld eine Begegnung auf Augenhöhe.

Bildquelle: Birgit Schulze
Bildquelle: Birgit Schulze
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„Jemanden umbringen zu wollen, reicht nicht aus“ - 4 Expertinnen-Interviews zum Thema:

"Sicherer Umgang mit starken Gefühlen im Business" und die persönlichen Antworten erfahrener Business Frauen

Expertinnen zum Thema "Sicherer Umgang mit starken Gefühlen im Büro"
Copyright: Judith Andresen, Susanne Lorenz, Beata Lange Fotografin, Foto Hirch Darmstadt

Ob Kommunikationsexpertin, Agilistin oder Online-Vertriebsexpertin. Mit den Emotionen Wut und Ärger beschäftigen sich viele Menschen in unterschiedlichen Berufszweigen und damit auch auf unterschiedlichen Ebenen. Und auch mir begegnen diese starken Gefühle immer wieder in meinen Coachings, Team-Mediationen und manchmal auch im Privaten.

Für mich steht fest. Wut und Ärger rauben Energie, belasten die Beziehungsebene und haben Konsequenzen.

Erfahre heute wie Kommunikationsexpertin Susanne Lorenz, Agile Coach Judith Andresen, Online-Vertriebsexpertin Christina Bodendieck und GFK Urgestein Irmtraud Kauschat Wut und Ärger begegnen und ob sie einen (beruflichen)

Nutzen in diesen starken Emotionen sehen.

Susanne Lorenz ...

… findet es wichtig zu verstehen, dass jeder seine Auslöser hat.

Susanne ist Trainerin und Coach und arbeitet mit ihren namenhaften Firmenkunden so wie ich auf Basis der Gewaltfreien Kommunikation. Sie hat das Buch "Superkräfte für Führungskräfte - Gewaltfreie Kommunikation im Beruf" geschrieben (auch als E-Book erhältlich). www.wirksam-kommunizieren.de

Copyright: Susanne Lorenz
Copyright: Susanne Lorenz

Wenn ich einem wütenden Menschen begegne, kann ich mich generell gut in den anderen versetzen. Schließlich weiß ich, wie es ist, wütend zu sein.

 

Je nach Kontext fühle ich mich „gewappnet“, weil ich weiß, wie ich damit umgehen kann oder ich bin frustriert, weil ich mir mehr Leichtigkeit in der Kommunikation wünsche.

 

Letztlich geht es aber immer wieder darum zu verstehen, dass jeder seine Auslöser hat und nicht jeder weiß, wie er seine nicht erfüllten Bedürfnisse wertschätzend zum Ausdruck bringen kann. Habe ich die Kraft, kann ich unterstützen.

 

 

Meiner Meinung nach ist Wut nicht vorteilhaft für andere, wenn man sie ungefiltert rauslässt. Sie raubt Energie und führt zu Konsequenzen, die wieder gelöst werden müssen. Für die wütende Person kann es durchaus einen Vorteil bringen, wenn sie die Wut auslebt und sich so Raum verschafft. An sich gehört die Wut zu jedem Menschen und seinem natürlichen Gefühlshaushalt. Die Frage ist immer, wie schnell man sie erkennt und wie man sie kommuniziert.

Judith Andresen ...

… schätzt es in einem Team zu arbeiten, in dem alle Gefühle ihren Platz finden.

Sie ist eine Organisationsentwicklerin, die Teams und Unternehmen bei der Einführung agilen Arbeitens, agilen Denkens und Führens unterstützt. Schwerpunktmäßig begleitet sie als agiler Coach Unternehmen in ihren agilen Transitionen. Sie bloggt regelmäßig, schreibt Fachartikel und Bücher. Und hält regelmäßig Vorträge über die Erkenntnisse und Erlebnisse ihrer Arbeit. www.judithandresen.com

Copyright: Judith Andresen
Copyright: Judith Andresen

Im Coaching Alltag begegnen mir immer wieder wütende oder verärgerte Menschen. Das sind dann beispielsweise Menschen, denen Veränderung angekündigt oder verweigert wurde.

 

Ich begegne wütenden oder verärgerten Menschen mit Empathie, Distanz zur Sache und Dissoziiertheit zum System. Als Coach sehe ich dann Menschen, die Kontakt zu sich selbst haben, und in erster Linie ihren Emotionen Platz verschaffen. Das öffnet den Raum, über Bedürfnisse und Handlungsräume zu sprechen.

 

Agil zu arbeiten, heißt zu lernen, sich zu entwickeln, einen guten, erfolgreichen Weg zu finden. Auf dem Weg liegen Fehlentscheidungen, fehlgeschlagene Experimente und Fehlannahmen. Das kann zu Wut und Ärger führen. Das gehört zum Bild genauso dazu wie Freude oder Übermut.

 

Als Vorgesetzte und Teammitglied begegnen mir auch Wut und Ärger innerhalb unseres Teams. Auch wenn es für den Moment anstrengend ist, auf Augenhöhe, fair, zugewandt mit Wut und Ärger umzugehen, schätze ich es, in einem Team zu arbeiten, in der alle Gefühle ihren Platz finden. Für den Moment kann es dann schwierig sein, Wut und Ärger nicht mit (Hierarchie-) Mustern zu begegnen. In dieser Überwindung kann eine Anstrengung liegen. Es macht uns besser -- und wir begegnen uns als Menschen.

 

 

Ich glaube, dass jede Emotionsäußerung im beruflichen Kontext von Vorteil ist. Menschen arbeiten mit Menschen zusammen. Sie teilen ihre (Lebens-)Zeit. Ich verstehe nicht, wie dass gesund ohne Emotionen geschehen kann und soll. Damit meine ich explizit auch Gefühle, die negativ konnutiert sind.

 

In Wut liegt häufig der Wille und der Handlungsraum für eine (positive) Veränderung. Das gilt auch für Ärger. In-sich-Hineinfressen oder "das ist hier Beruf, da bin ich professionell, wenn ich keine Gefühle habe / zeige" führen eher in eine Duldung von Handlungen, die eigentlich Wut und Ärger auslösen. Duldung bringt die Beteiligten aber nicht weiter -- und macht leicht krank (im direkten und / oder übertragenen Sinne). 

 

Weiter kommen Menschen -- gerade auch im Beruflichen -- durch Austausch, sich zumuten, Kommunikation.

 

In diesem Sinne: nur raus damit!

Christina Bodendieck ...

… möchte zunächst herausfinden, worum es der verärgerten Person geht.

Sie begleitet seit über 16 Jahren als selbständige Akquise- und Vertriebsmentorin ihre Kunden auf dem Weg zu neuen Auftraggebern und macht sie stark für ihre Kundengewinnung. www.christinabodendieck.de und  www.akquise-plus.de

Copyright: Beata Lange - Fotografin
Copyright: Beata Lange - Fotografin

Christina Bodendieck findet es wichtig zwischen beruflichen und privaten Situationen zu trennen, in denen ihr verärgerte Menschen begegnen.

 

Vor allem möchte sie herauszufinden, worum es der verärgerten Person geht. Christina Bodendieck arbeitet in einem solchen Fall gerne mit W-Fragen. 

 

Diese W-Fragen geben Raum, heraus zu finden, was genau den Ärger bei dem Gesprächspartner ausgelöst hat.

  • Worum geht es? 
  • Was hat verärgert?
  • Wie kommt es dazu?

Voraussetzung für einen konstruktiven und positiven Verlauf einer solchen Ärger-Situation ist es aus Christine Bodendiecks Sicht, die Verbindung zum anderen zu halten. (Auszug aus dem Live-Video zum Thema "Sicherer Umgang mit starken Gefühlen im Büro" mit Christina Bodendieck)

 

Wenn du weiter wissen willst, welche Experten-Tipps Christina Bodendieck noch hat, schau dir das 10 Minütige Expertinnen-Interview zum Thema "Sicherer Umgang mit starken Gefühlen im Büro" jetzt an.

Irmtraud Kauschat ...

… findet, dass Ärger auch im beruflichen Kontext sinnvoll sein kann.

Irmtraud ist Trainerin für Gewaltfreie Kommunikation mit internationaler Erfahrung und arbeitet seit mehr als 15 Jahren als Mediatorin in internationalen Krisenherden ist Ärztin für Chinesische Medizin und bietet individuelles Coaching. Sie ist außerdem Gründungsmitglied und im Vorstand von D-A-CH Deutsch sprechender Gruppen für Gewaltfreie Kommunikation e.V. und dem Netzwerk Gewaltfreie Kommunikation Darmstadt-Südhessen e.V. und Autorin verschiedener GFK-Fachbücher. www.gewaltfrei-darmstadt.de

Fotostudio Hirch
Fotostudio Hirch

Für Irmtraud Kauschat ist aufkommender Ärger ein Ausdruck dafür, dass etwas nicht stimmt. Und, dass es höchste Zeit ist, sich darum zu kümmern.

 

Früher war Irmtraud einfach nur erschrocken, wenn ihr eine verärgerte Person begegnete. Heute hat sie dank der Gewaltfreien Kommunikation eine verlässliche Strategie, um die Verbindung zum anderen herzustellen.

 

Aus ihrer Sicht, kann durch die Unterdrückung von Ärger, ein großer Konflikt entstehen. 

 

Wie es Irmtraud heute in solchen Situationen geht und welche Tipps sie für dich bereit hält, erfährst du in dem 10 minütigen Interview, dass ich vor ein paar Tagen mit ihr drehte. Hier gehts zum Video.

Mein Fazit:

Wut und Ärger sind natürliche Reaktionen, um auf die eigenen unerfüllten Bedürfnisse hinzuweisen – auch wenn die gewählte Strategie nicht immer lebensdienlich ist. Es handelt sich um Emotionen, die uns als Mensch ausmachen. Auch im Büro.

 

Die gute Nachricht ist: Diese Emotionen bieten eine Chance. Nämlich die zur Veränderung, zum endlich Sichtbar machen der sooo lange unerfüllten Bedürfnisse. Marshall Rosenberg hat uns mit der Gewaltfreien Kommunikation einen lebensdienlichen Ansatz mitgegeben, „Wut und Ärger aus vollem Herzen und mit ihrer ganzen Wucht auszudrücken“, ohne dabei noch mehr Beziehungsporzellan zu zerdeppern. Jemanden umbringen zu wollen, reiche nicht aus, meinte Rosenberg, es brauche wirkungsvollere Strategien, um der Wut und dem Ärger einen angemessenen Ausdruck zu verleihen.

 

Der Wüterich oder die verärgerte Kollegin können gerade nicht kooperativer handeln. Denn sie sind im Ärger gefangen. Hilfreich ist eine klare und unterstützende Intervention auf Augenhöhe, um diese Wut und den nagenden Ärger in eine konstruktive Energie zu verwandeln. Also liegt es auch an dir, wie du künftig mit starken Gefühlen im Büro umgehen möchtest.

 

Damit du handlungsfähig bleibst, lade dir meine kostenlose Anleitung „Sicherer Umgang mit starken Gefühlen“ herunter.

  

Lass mich wissen, welche Erfahrungen du mit starken Gefühlen im Büro gemacht hast. Oder wie du zu den Meinungen der Expertinnen stehst?  Hinterlasse unten deinen Kommentar.

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Expertinnen-Interview mit Irmtraud Kauschat

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Blogserie Gewaltfreie Kommunikation fürs Büro (4): Die Ursache für Gefühle findest du auch am Arbeitsplatz

Bild: Pixabay
Bild: Pixabay

Eine der Grundannahmen der Gewaltfreien Kommunikation lautet:

Meine Gefühle werden von Handlungen anderer ausgelöst, aber nicht verursacht. Die Ursache meiner Gefühle sind meine unerfüllten oder erfüllten Bedürfnisse. Ebensowenig bin ich die Verursacherin der Gefühle anderer Menschen.

Ich möchte diese Grundannahme noch um den Gedanken erweitern: Viele Auslöser für meine Gefühle liegen in der Vergangenheit. Sie werden durch neu hinzukommende Auslöser verstärkt.

Wenn ich mir diese Grundannahme zu nutze mache, hilft mir die daraus gewonnene Erkenntnis, Verantwortung für meine Gefühle und die Erfüllung meiner Bedürfnisse zu übernehmen.

Kennst du die Geschichte vom Mann und dem Hammer und seinem Nachbarn von Paul Watzlawik?

„Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt unser Mann, hinüberzugehen und ihn auszuborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel: Was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Vielleicht hat er die Eile nur vorgeschützt, und er hat was gegen mich. Und was? Ich habe ihm nichts getan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht´s mir wirklich. - Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch bevor er "Guten Tag" sagen kann, schreit ihn unser Mann an: "Behalten Sie Ihren Hammer". (aus P. Watzlawick: Anleitung zum unglücklich sein.)

Der Nachbar hat nichts mit den Gedanken und Gefühlen des Mannes zu tun. Vermutlich geht es ihm um Verbindung oder Sicherheit in der Beziehung zum Nachbarn und um Unterstützung in Bezug auf das Aufhängen des Bildes. Da wir ihn nicht fragen können, bleibt uns hier die Möglichkeit des empathischen Vermutens.

 

Schlüsselunterscheidung: Empathisches Erraten/Vermuten/Ahnen vs. Wissen/intellektuelles Herumraten

Bild: Yo Rühmer
Bild: Yo Rühmer

Diese Schlüsselunterscheidung dient dir als Hilfestellung, deinem Kopfkino zu entgehen. Wenn du mit deinen Kollegen, Mitarbeitern oder Kunden wirklich in Kontakt kommen möchtest, ist empathisches Vermuten ein Weg, durch den die Verbindung gelingen kann. Auch am Arbeitsplatz.

 

Gibt es da vielleicht einen Kollegen, der dich heute nicht gegrüßt hat? Der sich den letzten Kaffee aus der Kanne genommen hat? Der immer noch nicht auf deine Mail von vor drei Tagen reagiert hat?

Empathisches Erraten/Vermuten/Ahnen

Wenn ich in erkundender, empathischer Intention einen Menschen frage, äußere ich Vermutungen und lasse ihm die Möglichkeit, über das Angebot in meiner Frage mit sich in Verbindung zu kommen.

 

Du kannst dir die folgende Fragen stellen:
Vermute ich, was andere beobachtet haben, wie sie sich fühlen, welche Bedürfnisse (un)erfüllt sind, welche Bitte sie haben könnten und äußere das in Frageform?

Wissen/intellektuelles Herumraten

Gehe ich mit einer wissenden Haltung in die Situation, erschwere ich die Verbindung zwischen uns und die des anderen zu sich selbst.

 

Du kannst dir folgende Frage stellen:
Äußere ich eine Feststellung, was andere beobachtet haben, wie sie sich fühlen, welche Bedürfnisse (un)erfüllt sind?

(Schlüsselunterscheidung Nr. 30 entnommen aus „Das große Praxisbuch zum wertschätzenden Miteinander – 101 Übungen zur Inspiration Ihrer Seminare und Gruppen auf Basis der Gewaltfreien Kommunikation“)


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Mach dir dein Leben leicht und übe dich im empathischen Vermuten

Wenn du dich ärgerst, dann erforsche die Ursache und den Auslöser. Die oben beschriebene Schlüsselunterscheidung kann dir dabei als Unterstützung dienen. Vielleicht gibt es ähnliche Situationen, die dich immer wieder ärgerlich oder wütend werden lassen. Dann schau hin, was genau der Auslöser ist. Vielleicht gibt es eine andere Ursache für deinen Ärger? 

 

Wenn du eine Erkenntnis dazu hattest, dann hinterlass mir und allen Lesenden einen Kommentar. Ich bin gespannt und freue mich von dir zu lesen. 



Bildquelle: www.pixabay.com und Birgit Schulze und Yo Rühmer


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So wirst du selbst zum Profi im Umgang mit herausfordernden Situationen: Die Kollegiale Beratung

Bildquelle: www.pixabay.de
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Klaus ist Geschäftsführer eines kleinen dynamischen und sehr erfolgreichen Unternehmens. Seine Mitarbeiteranzahl ist innerhalb weniger Jahre auf 30 Personen angewachsen. Er bekommt längst nicht mehr alles in seiner Firma mit. Er hat Aufgaben delegiert und Teams gebildet, um die komplexen Aufträge kompetent und zuverlässig abzuwickeln. In einem der Teams kracht es zwischen den Teammitgliedern. Dadurch kommt es zu Verzögerungen in der Auftragsbearbeitung. Klaus ist ratlos. Er findet keine Lösung und fühlt sich allein. Als Geschäftsführer und Vorgesetzter sieht er sich zwar in der Verantwortung den Konflikt zu klären. Er will jedoch keinen externen Mediator ins Boot holen. Die Zeit spielt gegen ihn und sein Unternehmen, da wird guter Rat unter Umständen teuer. Muss aber nicht.

Raus aus dem eigenen Saft durch Kollegiale Beratung

Die Kollegiale Beratung (KB) ist hocheffektiv. Es braucht zwar Zeit, Übung und setzt Vorschussvertrauen aller Beteiligten voraus. Am wirksamsten und zielgerichtesten führst du die KB mit einer Gruppe von Verschworenen durch. Die klare Struktur macht es dir einfach, die einzelnen Phasen einzuhalten, so dass du auf einen professionellen Moderator getrost verzichten kannst.

 

Die Kollegiale Beratung wird in 6 verschiedenen Phasen durchgeführt. Sie ist ein strukturiertes Verfahren, das immer nach dem gleichen Schema abläuft. Dies bringt dir auf Dauer Übung und die Sicherheit, deine KB so effektiv wie möglich durchzuführen. Der Moderator begleitet dich dabei durch alle 6 Phasen. Du kannst deine persönliche Situation mit Unterstützung der anderen betrachten, ohne bereits irgendwelche konkreten Schritte einzuleiten.

Das Rezept für erfolgreiche Kollegiale Beratungen

Zutatenliste:

  • 6 bis 8 Arbeitskolleginnen oder interessierte Menschen aus deinem Netzwerk
  • 90 - 120 Minuten deiner Zeit pro Beratungssitzung
  • einen ruhigen Raum
  • 1 Moderator (wechselnd)
  • Schreibuntensilien
  • Flipchart/Metaplanwand

Vorbereitung:

Bilde eine Gruppe aus sechs bis acht Arbeitskollegen oder interessierten Menschen aus deinem Netzwerk. Am besten funktioniert die Kollegiale Beratung (KB), wenn die Teilnehmer unterschiedlich sind, menschlich und fachlich. Du erfährst später noch, warum das von Vorteil ist. Triff dich regelmäßig mit dieser Gruppe, damit ihr Übung und Erfahrung in der KB bekommt.

 

Voraussetzungen:

  • Es gilt Verschwiegenheit und Vertraulichkeit. Die Inhalte bleiben im Raum.
  • Die ratsuchende Person allein entscheidet sich für eine der gefundenen Ideen/Lösungsansätze.
  • Es gilt der Grundsatz: Alles was wichtig ist und zum Fortgang des Prozesses beiträgt, darf gesagt werden.
  • Lösungsvorschläge werden gesammelt, jedoch nicht bewertet. (Prinzip: Brainstorming)
  • Für die Dauer der KB werden Handies, Laptops und andere Störfaktoren ausgeschaltet, damit konzentriertes Arbeiten möglich ist.


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Die Durchführung der Kollegialen Beratung

Klärt bei jedem Treffen gemeinsam, wer heute ein Anliegen zur Klärung hat und um was es sich dabei handelt.

 

Geht es um einen Konflikt mit einer Person? Oder handelt es sich um eine fachliche Fragestellung?

 

Führt diese Klärung sorgfältig durch, damit die Richtung der Beratung für alle Beteiligten deutlich wird.

 

Im nächsten Schritt bestimmt ihr gemeinsam die Moderatorin aus der Gruppe. Sie führt euch durch die nächsten 90 Minuten. Sie ist Zeitwächterin, leitet durch die Phasen und wacht über die jeweils einzuhaltenen Regeln. 

 

Und los geht's ...

 

1. Phase: Problem beschreiben

Innerhalb von fünf bis sieben Minuten stellt der Ratsuchende sein Anliegen dar. Er redet ohne Unterbrechung durch die anderen. Die übrigen Teilnehmer nehmen eine passive und gleichzeitig aufnehmende Haltung ein. Lediglich Verständnisfragen sind erlaubt. 

 

Tipp: Hilfreich ist es, wenn sich der Ratsuchende auf Beobachtungen und Fakten zur Situation beschränkt. Das macht es den übrigen Beratern leichter, die Situation zu verstehen und sie können sich selbst ein Bild davon machen.


2. Phase: Fragen

In dieser Phase sind Fragen erlaubt. Die anderen Berater können jetzt ihre Frage stellen. Der Ratsuchende beantwortet die Fragen, ohne diese zu diskutieren. Weiterhin sind die Teilnehmer eingeladen mitzuteilen, was ihnen aufgefallen ist oder welche Assoziationen sie dazu haben.

 

TIPP: Vermeiden Sie Rechtfertigungen oder Verurteilungen über andere.  Ihre Antworten werden ebenso wertfrei aufgenommen und bleiben zunächst im Raum stehen. Jede Bewertung, Verurteilung oder Analyse würde den Prozess der KB gefährden. Es ist die Aufgabe des Moderators genau darauf zu achten.

 

Durch die Fragen und Antworten entwickeln sich nach und nach bei den Beratern eigene Ideen und Vorstellungen darüber, wie das Anliegen zum Problem werden konnte und wie es mit der ratsuchenden Person zusammenhängt.  Ist dieser Zustand erreicht, leitet der Moderator die nächste Phase ein.


3. Phase: Hypothesen sammeln

Der Ratsuchende nimmt in dieser Phase als passiver Beobachter teil. Jede Einmischung seinerseits wird durch den Moderator unterbrochen. Ein spannender Prozess, der durchaus schmerzhaft und gleichzeitig sehr erhellend sein kann. Vertrauen Sie auf die Beraterfähigkeiten Ihrer Kollegen.

 

Die Teilnehmer sind eingeladen, ihre Hypothesen über die Art des Problems aufzustellen. Diese Hypothesen notiert der Moderator für alle sichtbar auf einem Flipchart. Er achtet in dieser Phase streng darauf, noch keine Lösungen zu dokumentieren und sammelt lediglich die Hypothesen zur Sitution.


Phase 4: Kernannahmen identifizieren

In dieser Phase ist der Ratsuchende wieder gefragt. Er - und nur er allein - wählt die Annahme aus, die bei ihm die höchste Resonanz hervorruft. Die Kollegen können sich wieder fragend und somit unterstützend beteiligen, wenn durch den Moderator gewährleistet wird, dass sie ausschließlich aus Sicht des Ratsuchenden agieren. In dieser Phase geht es nicht um Wahrheit. Es steht vielmehr die Auswahl der Annahmen im Vordergrund. Die übrigen Annahmen werden vorerst verworfen.


Phase 5: Lösungen

Ähnlich wie in Phase 3 kann sich der Ratsuchende auch hier zurücklehnen. Er beobachtet die Diskussion zur Lösungsfindung und lässt sie auf sich wirken. Die Lösungsvorschläge werden gesammelt und diskutiert. Der Ratsuchende nimmt die Ergebnisse für sich mit und entscheidet für sich, welchen Weg er künftig in Bezug auf dieses Anliegen einschlagen wird.

 

Damit ist die KB beendet, der Beratungsprozess abgeschlossen. .

 

Der Ratsuchende hat seine Situation durch verschiedene Blickwinkel betrachten können und wurde mit einer Auswahl von Lösungen für sein Anliegen beschenkt.


Phase 6: Flughöhe gewinnen

Wenn du schon Übung und Erfahrung in der KB hast, kannst du diese Phase noch anschließen.

 

Tausche dich mit deinen Kolleginnen darüber aus, was du emotional während dieser Kollegialen Beratung erlebt hast. In Bezug auf das Anliegen des Ratsuchenden und auch in Bezug auf den Prozess der KB. Oftmals kommen neue Diskussionen in Gang, die unentdeckte emotionale Anteile der Problemsituation ans Licht bringen.

 

Hieraus ergeben sich möglicherweise ganz neue Ansätze zur Lösungsentwicklung. Der Blickwinkel kann sich nochmals verändern und ein neues Licht auf die Situation werfen. Die Entscheidung, welche Lösung der Ratsuchende favorisiert, liegt allerdings voll und ganz bei ihm.


Unterschiedliche Sichtweisen bringen neue Erkenntnisse

Bevor ich es vergesse: Ich wollte dir noch mitteilen, warum es so hilfreich ist, sich mit unterschiedlichen Menschen für die KB zusammen zu tun.

 

Vielleicht kam dir schon selbst eine Idee? Ja? Menschen in ähnlichen Situationen betrachten ein Anliegen auch aus einem ähnlichen Blickwinkel. Neue Lösungsansätze werden schwerer gefunden, wir drehen uns im Kreis oder braten weiter im eigenen Saft.

 

Menschen, die dagegen aus ganz anderen beruflichen Kontexten und persönlichen Situationen kommen, betrachten das selbe Anliegen aus einer anderen Perspektive. Diese neue andere Sichtweise hilft dabei, den vorgestellten Fall von einer anderen Seite kennen zu lernen, möglicherweise weitere Betroffene zu verstehen und Lösungen zu erkennen und zu akzeptieren, die Ihnen vorher überhaupt nicht in den Sinn gekommen wären.

 

Klaus ist auf sein Netzwerk zugegangen und hat dort Menschen gefragt, ob sie Interesse an einer regelmäßig stattfindenden KB haben. Er fragte gezielt ganz unterschiedliche Personen: einen Programmierer, eine Projektleiterin, eine Journalistin, einen Vertriebler und einen Mitarbeiter einer Werbeagentur. Sie alle haben Klaus Situation durch ihre Brille betrachtet, sich in ihn und sein Anliegen eingefühlt und schließlich verschiedene Lösungen kreiert. Heraus kam ein Klaus, der viel über sich, sein Unternehmen und seine Mitarbeiter erfahren hat. Gleichzeitig bekam er konkrete Ideen geschenkt, wie er das Problem gewinnbringend für sein Unternehmen, seine Kunden und Mitarbeiter lösen kann.

 

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Eigenlob stinkt? Dann ab unter die Wertschätzungsdusche

"Das hast Du heute wieder gut gemacht" *klopf auf die Schulter* "Birgit Du bist die Beste, Größte, Schönste, Tollste..."  Endlich mal jemand -auch wenn ich es selbst bin -, die erkennt, wie toll ich doch bin. ... Momentmal, riechst du das auch? auch? Hier riecht es gerade so komisch, äh, wo war gleich noch die Seife? Schnell unter die Dusche, unter die Wertschätzungsdusche.

 

Ohne Eigenlob geht es nicht? Das braucht es doch manchmal, denkst du jetzt vielleicht. Denn wenn ich mich nicht lobe, wer denn dann? "Birgit, Du bist die Größte, Schönste, Beste...?",  "Dir kann einfach keiner das Wasser reichen ... " Solche Lobeshymnen und Komplimente machen auf Dauer einsam.

 

Denn wenn ich mich selbst so weit oben auf einen Sockel stelle,
verliere ich zum einen die Bodenhaftung und

zum anderen die Verbindung zu meinen Mitmenschen.

Und wie ist das mit Lob von außen?

Lob stinkt auch, oder? Ja, ich bin voll bei dir, wenn du der Meinung bist, dass plattes Lob, Komplimente oder bloße Zustimmung manipulativ ist.

 

Wenn ich nur lobe, damit der andere es genauso macht, wie ich es will oder weil ich es so richtig und schön finde, dann unterwerfe ich diese Person meinen persönlichen Vorstellungen. Dann geht es mir darum, dass der andere so funktioniert, wie ich es will.

Und wenn andere mich so platt loben, mache ich es in deren Augen besonders gut. Ich passe zu deren Vorstellung von einem funktionierenden Menschen. "Das hast Du aber schön gemacht" oder "Also, so wie Sie das machen, kann das sonst keiner!"  und sofort renne ich los und hechele dem nächsten Lob hinterher.

 

Da geht es um "richtig" und "falsch" und um "gut" und "schlecht". So viele Lobe und Komplimente, dass ich satt werde, gibt es überhaupt nicht. Anders gesagt, ich mache mich selbst abhängig von dem Lob und der Meinung anderer Menschen.

Selbstverständlich ist nicht jedes Lob, jedes Kompliment oder auch Zustimmung manipulativ gemeint.

Es ist sogar meistens ein Versuch, Wertschätzung auszudrücken.

Das Platte daran ist dann bedauerlicherweise, dass es bei einer Beurteilung und Bewertung der Person oder ihres Verhaltens bleibt. Welcher Aspekt genau lobenswert ist und welche Auswirkungen die Handlung oder die Person auf mein Leben bewirken, das mache ich mir als Lobende nicht klar. Unklar bleibt es dann übrigens auch für die gelobte Person.


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Wertschätzung. Wie geht das denn jetzt?

Hast du schon einmal eine echte Wertschätzung bekommen? Oder sogar gegeben? Ja? Wie schön. Dann kennst du das innere Strahlen, das damit einher geht. Die Freude, die entsteht, wenn du merkst, dass die andere Person mit ihrem Beitrag, ihrem Engagement gesehen wird.

 

Bei echter Wertschätzung geht es darum, jemandem zu sagen, wie wertvoll er oder sie für mich ist.

Oder noch besser. Es sagt mir  jemand, wie wertvoll ich bin.  Zu hören, dass ich wichtig bin oder bereichernd oder einfach nur so wie ich bin, in Ordnung bin, das tut doch gut.

 

Auch du freust dich sicherlich darüber, zu hören, dass du eine Sache so erledigt habst, dass auch andere etwas davon haben. Oder, dass du eine Stimme hast, die so klar ist, dass es eine Freude ist, dir zuzuhören, oder dass du das letzte Meeting so organisiert habst, dass es effektiv und wirkungsvoll für alle Beteiligten war.

 

Jemand anderem seine Wertschätzung auszudrücken ist unglaublich verbindend und bereichernd und wirkt motivierend. Aber nur dann, wenn es auch von Herzen kommt.

 

In der Gewaltfreien Kommunikation unterscheiden wir Zustimmung, Lob und Komplimente von Wertschätzung.

Bei Zustimmung, Lob und  Komplimenten bewerte oder beurteile ich die Person oder ihre Handlung. Ich gebe die Zustimmung, das Lob oder Kompliment auf der Kopfebene und sage nichts über meine erfüllten Bedürfnisse. Ich kann mir die Frage stellen, ob es in meiner Absicht steht, andere dazu zu bewegen, das zu tun, was ich will. Oder will ich einfach nur meine Bewertung ausdrücken? Wenn das so ist, dann ist es auch völlig in Ordnung, nur eben keine Wertschätzung.

 

Bei der Wertschätzung teile ich meine Beobachtung, mein Gefühl zur Situation und mein erfülltes Bedürfnis mit. Ich kann mir die Frage stellen, ob ich in der Absicht unterwegs bin diese Aspekte mitzuteilen. Wenn ja, nutze ich drei der vier Schritte aus der Methode der Gewaltfreien Kommunikation. Beobachtung, Gefühl und Bedürfnis.

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Echte Wertschätzung kommt von Herzen und ist bedingungslos.

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 "Birgit, wenn ich sehe, dass Du heute morgen schon den ganzen Berg an Anfragen bearbeitet hast, dann bin ich darüber sehr erfreut, weil es mein Bedürfnis nach Beitragen und Entlastung erfüllt."  Das war GFK-Sprache.  Und jetzt nochmal alltagstauglich: "Birgit, Du hast heute morgen schon den ganzen Berg an Anfragen bearbeitet. Ich freue mich darüber sehr, denn so konnte ich mich anderen ebenfalls wichtigen Aufgaben widmen."

 

Geschenke, Geschenke, Geschenke

Und wenn du das nächste Mal wieder ein Lob bekommst, sieh es als Geschenk an und frage einfach nach.

 

Was genau hat dir gefallen? Wie fühlst du dich damit? Welches Bedürfnis erfüllt sich dir dadurch?

 

Teile deine Freude über diese Wertschätzungsdusche und sage der Person, wie es dir mit dieser Wertschätzung geht.

 

Du unterstützt deine Mitmenschen auf diese Weise ganz leicht und automatisch dabei, das Lob in eine echte Wertschätzung zu verwandeln.

 

Und jetzt ab in die Dusche ...

Greif zum Duschkopf, dreh voll auf und wertschätze was das Zeug hält. Lass es so richtig schäumen. Gib dir selbst Wertschätzung dafür, was du heute schon geleistet hast.

 

Dir fällt nichts ein? Dreh die Wertschätzungsdusche noch weiter auf.

 

Denke an gestern oder vorgestern. Wertschätze dich dafür, dass du heute morgen Frühstück für deine Lieben zubereitet hast, dass du gestern deine Mutter angerufen hast und ein nettes und verbindendes Gespräch mit ihr führen konntest.

 

Gib dir selbst Wertschätzung dafür, dass du im Büro morgens die erste bist und deinen Kollegen den Kaffee kochst. Vielleicht hast du als Kind einer alten Dame die Einkaufstüten getragen? Wertschätze dich jetzt dafür. Oder du hast deine letzten Gummibärchen mit deiner Freundin geteilt? Wertschätze dich dafür.

 

Wertschätze ebenfalls deine Mitmenschen. Vielleicht deinen Sohn, der heute morgen ganz allein seinen Ranzen gepackt hat oder deine Vorgesetzte, die dir ein neues Projekt übertragen hat oder deine Arbeitskollegin, die dir in der Mittagspause einen Kaffee spendiert hat.

 

Suche nach kleinen und auch großen Situationen, in denen du dich selbst und andere wertschätzen kannst. Gehe so oft wie du möchtest unter die Wertschätzungsdusche. Keine Sorge, dies schadet weder deiner Haut noch deiner Persönlichkeit. Im Gegenteil: Dusch dich und andere mehrmals täglich und du wirst merken, dass Wertschätzung nach innen und auch nach außen wirkt. Geruchsfrei. Versprochen.

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Bedürfnisse - der gute Grund warum wir handeln, wie wir handeln

Sagt z.B. ein Kolleg zu dir: „Nie schreiben Sie das Protokoll rechtzeitig!“, sagt er dir eigentlich, dass sein Bedürfnis nach Ordnung/Struktur und vielleicht sogar nach Sicherheit unerfüllt ist.

 

Oder deine Chefin sagt zu dir: „Sie sind ja schon wieder zu spät!“, bittet sie dich indirekt darum, ihr Bedürfnis nach Wertschätzung und Effizienz zu erfüllen.

 

Schimpft jemand mit dir, kritisiert er dich oder interepretiert er dein Verhalten, dann ist das ein sicheres Zeichen dafür, dass Bedürfnisse bei ihm gerade unerfüllt sind. Genauso verhält es sich, wenn du vor dich hin meckerst, andere bewertest oder be-/verurteilst. Das zeigt, einige deiner Bedürfnisse sind gerade im Mangel - unerfüllt.

 

Bedürfnisse als Motivator für unsere Handlungen

Mit jeder unserer Handlungen, Aussagen oder Taten erfüllen wir uns ein Bedürfnis. Das ist eine der Grundannahmen in der Gewaltfreien Kommunikation (GFK). Und zwar immer und jederzeit.

 

Selbstverständlich billigen wir deshalb nicht alle Taten. Es gibt Handlungen, da fällt es sicherlich schwerer sich in den anderen einzufühlen, beispielsweise bei Mord, Überfall oder Amokläufen.

 

Es gibt im Alltag jedoch viele kleine und große Gelegenheiten einfühlsam zu bleiben, auch wenn du genervt bist von deiner Kollegin, deinem Vorgesetzten oder einem Kunden. Denn gerade diese Empathiefähigkeit bietet dir die wunderbare Möglichkeit, die Verbindung im Ernstfall zu dir selbst und deinen Mitmenschen zu halten.

 

Die Lösungen, die du gemeinsam mit den anderen auf dieser Grundlage erarbeitest, berücksichtigen die Bedürfnisse aller, sind nachhaltiger und tragfähiger.

Strategieebene

In Konflikten jedoch tritt gerade diese Sichtweise oft in den Hintergrund. Wir drücken unsere Bedürfnisse indirekt durch Bewertungen und/oder Interpretationen aus. Menschen neigen dazu, wenn sie etwas hören, das auch nur ansatzweise wie Kritik klingt, mit einem Gegenangriff oder verteidigend zu reagieren. 

Viele von uns haben es leider nicht gelernt, auf der Bedürfnisebene miteinander zu sprechen. Wir sind eher auf der Strategieebene unterwegs. Also auf der Ebene, wie wir uns unsere Bedürfnisse erfüllen möchten.

Klar, wir haben alle unsere Lieblingsstrategien, wie wir uns unsere Bedürfnisse erfüllen. Auch deine Mitmenschen. Manchmal braucht es nur eine kleine Erinnerung, dass es auch andere Wege gibt, wie wir uns das Bedürfnis erfüllen. Das setzt allerdings voraus, dass wir uns darüber klar sind, welches Bedürfnis wir uns gerade erfüllen möchten.

Alle Menschen auf der Welt haben die selben Bedürfnisse

Die Erfüllung unserer Bedürfnisse ist die Motivation für unser Handeln. Eine weitere Grundannahme in der Gewaltfreien Kommunikation (GFK), besagt, dass wir alle die selben Bedürfnisse haben. Und zwar unabhängig von Alter, Herkunft, Geschlecht, Religion, Hautfarbe oder was Ihnen noch an Kategorien einfällt. Wir unterscheiden uns lediglich darin, wie wir uns unsere Bedürfnisse erfüllen.

 

Betrachten wir beispielsweise das Bedürfnis nach Sicherheit: Dem einen reicht eine einfache Hütte, um häusliche Sicherheit für sich zu erfüllen. Ein anderer baut sich eine Villa. Wieder ein anderer häuft Geldbeträge auf einem Konto an und erfüllt sich damit finanzielle Sicherheit und der nächste fährt lieber mit der Bahn als mit dem Auto, weil er sicher ankommen möchte.

 

Die GFK ist ein Verständigungsprozess, der uns hilft Beziehungen auf Basis gegenseitiger Achtsamkeit und Wertschätzung zu führen. Dadurch lernen wir, mit Konflikten konstruktiv umzugehen und auch in schwierigen Beziehungen und herausfordernden Situationen einvernehmliche Lösungen zu finden, die die Bedürfnisse aller Beteiligten im Blick haben.

Die folgende Bedürfnisliste dient für Sie als Unterstützung im Arbeitsalltag, Ihre eigenen unerfüllten Bedürfnisse und die, Ihrer Kollegen zu vermuten. (Diese Liste erhebt nicht den Anspruch vollständig zu sein. Bitte nutzen Sie Ihre Formulierungen, um sich auszudrücken.)

Bedürfnisliste

Ankerkennung, Akzeptanz, wie ich bin    
Begeisterung/Freude               
Bewegung                    
Ehrlichkeit, Echtheit, Authentizität      
Gemeinschaft          
Kreativität                 
Ordnung, Rhythmus, Ritual         
Schutz, Sicherheit                
Selbstvertrauen               
Sinn(haftigkeit)               
Verstehen (große Zusammenhänge)     
Wertschätzung, für mein Handeln

Bedauern/Trauern, Feiern
Beteiligt sein, Beitragen
Bildung/Wachstum
Friede
Integrität (meinen Werten entsprechend leben)
Mit mir eins sein
Selbständigkeit
Selbstbestimmung/Autonomie
Unterstützung
Vertrauen


Bildquelle: Birgit Schulze

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WM 2018 und Gewaltfreie Kommunikation passt doch gar nicht zusammen, oder doch?

Alles ist im WM Fieber. In Kürze gehts in Russland los. Ja, auch ich bin inzwischen im Fußballfieber. Hätte ich nie gedacht, aber als Mutter von zwei Söhnen ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Fussball familienintern ein Thema wird. 

Warum begeistert Fußball eigentlich weltweit so viele Menschen?

Ich frage mich das schon sehr sehr lange. Meiner Vermutung nach ist Fußball deshalb so mitreißend, weil es um die gleichzeitige Erfüllung vieler Bedürfnisse geht. Mir fallen spontant die folgenden ein: 

 

Wenn dir noch weitere einfallen, dann schreib sie doch unten in den Kommentar ;)

Bedürfnis: Gemeinschaft

Egal ob als Mannschaft oder Fan-Gemeinschaft. Fussball verbindet. Es sind die Vereinsgeschichten, Siege und/oder Niederlagen, die zusammenschweissen. Daher vermute ich, die Menschen beigeistern sich deshalb weltweit, weil es ihnen um Gemeinschaft geht.

Bedürfnis: Struktur

Fussball bietet eine sehr verlässliche Struktur. Spielpläne, klare Regeln und einen Schiri, der für die Einhaltung der Regeln sorgt. Struktur bietet uns Klarheit und Verlässlichkeit. Deshalb ist dies für mich ein weiteres wichtiges Bedürfnis, dass die Begeisterung erklärt.

Bedürfnis: Feiern

Wo, wenn nicht auf dem Fußballplatz dürfen die Emotionen rausgelassen werden? Guck dir die Feierpose eines Ronaldo an. Oder den Lewandowski-Freude-Tor-Salto. Und die Fans, wie sie jubeln, wenn ihre Mannschaft das Spiel gewinnt, die Bierduschen, das breite Grinsen, die Sprechgesänge in den Stadien. Das ist für mich alles Ausdruck purer Freude. Und trägt natürlich zur Begeisterung bei.

 

Bedürfnis: Bedauern/Trauern

Hast du die Fernsehberichte nach dem Abstieg des HSV in die zweite Bundesliega gesehen? Das war Trauer pur. Da gab es Tränen, Verzweiflung und Sprachlosigkeit. Für mich war diese Trauer sehr stark spürbar. Mich beeindruckt das immer wieder sehr, dass sozusagen „gestandene“ Männer sich ihren Emotionen so offen hingeben.

 

Das alles ist Fußball für mich persönlich.

Und dann geht es beim Fußball ganz klar ums Gewinnen und Verlieren.

 

Es geht darum, die beste Mannschaft in der Bundesliega, beim DFB oder in der Championsleague zu sein. Es geht darum, mehr Punkte zu holen, als die gegnerische Mannschaft. Es geht darum, sich auf die Brust zu trommeln und mit einem Siegesjubel über den Platz zu laufen und sich groß, stark und unverwundbar zu fühlen. Das ist es doch, was Fußball so spannend macht. Tooooor, Tooor, Toooor!

 

 

Und doch ist es nur ein Spiel. Ein Spiel allerdings, das seinen Fans erlaubt mit sich, den eigenen Gefühlen und Bedürfnissen in Kontakt zu kommen. Ein Spiel, das unterhält und uns von alltäglichen Herausforderungen ablenkt. Ein Spiel, um uns auszupowern und vielleicht an die eigenen Grenzen zu kommen. Aber eben immer noch nur ein Spiel.

 

Und die GFK ist jetzt langweilig oder was?

 

Nö, finde ich ganz und garnicht. Denn die Gewaltfreie Kommunikation bietet dir einen Weg, im Alltag immer wieder mit den eigenen Gefühlen und Bedürfnissen in Kontakt zu kommen. Ganz ohne Spiel, aber vielleicht mit Unterstützung von spielerischen Übungen ;)

 

Schließlich sind wir ja doch alle Menschen. Und auch wenn das jetzt manche nicht lesen oder hören wollen, wir alle und da darf ich endlich mal pauschalieren, ja wir alle haben Gefühle. Auch du. Und wir haben alle Bedürfnisse, die sozusagen, den Grund für unser Handeln bieten. Klingt jetzt etwas verschwurbelt, was?

 

Eine der Grundannahmen der GFK lautet:

Wir handeln immer in Erfüllung unserer Bedürfnisse. Die Gefühle dienen als Wegweise, um zu erkennen, ob unsere Bedürfnisse erfüllt sind oder nicht.

 

Und genau diese Fähigkeit des empathischen Hinschauens kann uns helfen, in allen möglichen Lebenssituationen mit uns selbst und unseren Mitmenschen verbunden zu bleiben. Dazu braucht es nicht viele Regeln oder einen Schiri, sondern ein Erinnern an die vier Schritte.

Die vier Schritte in der GFK

Beobachtung

 

Kann ich die Situation moralisch wertfrei beobachten? Orientiere ich mich an Zahlen, Daten oder Fakten?

 

 

Gefühl

Wie geht es mir in dieser Situation? Bin ich traurig, wütend, frustriert, genervt?

Oder fühle ich mich ruhig, entspannt, fröhlich?

Bedürfnis

Um was geht es mir? Was ist mein Anliegen, mein Bedürfnis? Brauche ich Klarheit, Struktur oder fehlt mir gerade die Verbindung zum Gegenüber?

 

Bitte

Weiss ich wie es weiter gehen kann? Möchte ich Verbindung zu anderen herstellen oder sie konkret um eine Handlung bitten?

Für mich sind diese 4 Schritte zum alltäglichen Begleiter geworden.

Und so ganz und gar nicht langweilig. Denn ich habe eine klare Anleitung gefunden, um zu schauen, was ich gerade brauche. Oder um zu schauen, was die andere Person gerade braucht. Denn das haben wir ja nicht immer klar.   

Sie verbindet mich immer genau mit dem, was jetzt wichtig ist. Mir und anderen.     

Und auf die WM 2018 freue ich mich auch jetzt schon, denn das erfüllt mir Gemeinschaft mit meiner Familie, Spaß, Leichtigkeit und die Gewissheit, dass der Sommer da ist.

Sind dir noch ein paar Bedürfnisse eingefallen, die durch Fußball erfüllt werden? Hinterlasse einen Kommentar.


Wenn du dein Interesse für die GFK gerade erst entdeckt hast, dann interessiert dich vielleicht ...


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Wie du dank Selbsteinfühlung Energie sparst und das in ganz alltäglichen Momenten. Neulich beim Bäcker ...

Wer kommt als nächstes?

Auf dem Weg zu einem Termin, stand ich morgens in einer Bäckerei an. Vor mir waren genau zwei Kundinnen im Laden. Die eine wurde gerade bedient, die andere wartete so wie ich. "Wer kommt als nächstes?", fragte eine weitere Verkäuferin.


Inzwischen hatte noch ein älterer Herr den Laden betreten und er fühlte sich sofort angesprochen. Er gab seine Bestellung auf.


Die Kundin vor mir wurde unruhig, sie schien irritiert, was der Verkäuferin nicht entging. Fragend ließ diese den Blick über die Kundschaft gleiten und blieb achselzuckend bei mir hängen. Ich antwortete: "Die Dame vor mir ist dran, sie kommt als nächstes".


Inzwischen war die andere Verkäuferin auch wieder frei und fragte ebenso: "Wer ist der nächste?" Wieder gab der ältere Herr seine Bestellung auf.

 

Ich gebe zu, ich war verdutzt. "Das muss er doch mitbekommen haben, dass ich auch schon vor ihm im Laden war. Hat der denn keine Augen im Kopf? " wütete es in meinem Kopf. Schließlich fragte ich mich "Um was geht es mir denn jetzt?"

Ich fühlte mich in mich selbst ein

Was war mein Bedürfnis in dieser Situation? Gesehen werden wollte ich und zwar nicht nur von den Verkäuferinnen, sondern auch von diesem älteren Herren. Und das alles schön der Reihe nach geht und jeder dann bedient wird, wenn er dran ist. Dies erfüllt mein Bedürfnis nach Ordnung/Struktur.

 

Die Dame vor mir drehte sich in diesem Moment um und sagte mit einem verschwörerischen Lächeln: "Der ist vielleicht schwer hörig oder hat es eilig, schließlich ist es ein Rentner und die haben ja bekanntlich kaum Zeit."

 

Ja, vielleicht war es so. Vielleicht war er schwerhörig und hatte kaum Zeit. Ich schaute ihn mir an und stellte fest, dass er nicht sehr groß war. Ich bin 1,66 m und er war bestimmt noch eine halben Kopf kleiner als ich. Vielleicht ging es ihm auch darum gesehen und wahrgenommen zu werden? Wer weiss, welche Erfahrungen er schon in Läden gemacht hat und wie oft er übersehen wurde?

 

Dieser kurze Moment der Selbstempathie und Empathie für diesen älteren Herren ließ mich zu dem Schluss kommen, dass es für  mich in Ordnung war, wenn er vor mir bedient würde. Ich hatte zwar einen Termin, gleichzeitig noch ausreichend Zeit, um pünktlich zu kommen.

Meine Bedürfnisse erfüllten sich auf wunderbare ganz andere Weise

Mein Bedürfnis nach "Gesehen werden", erfüllte mir die Dame vor mir und auch die Verkäuferin, die mir mit Blicken und Schulterzucken signalisierte, dass Sie mich gesehen hat. Ordnung/Struktur erfüllte ich mir bereits in vielen anderen Lebensbereichen selbst. Das muss ich mir nicht zwingend beim Bäcker erfüllen.

 

Klar hätte ich mich auch aufregen können. Mir ist es inzwischen jedoch viel wichtiger, meine Energie nicht in solchen Situationen zu verbrauchen, sondern sie gezielt für das zu nutzen, was mir wirklich wichtig ist.

Daher bin ich auch so dankbar für die vielen alltäglichen Situationen, die mir helfen, mich immer wieder aufs Neue mit meinen Gefühlen und Bedürfnissen zu verbinden. Sei es, dass ich mir Selbsteinfühlung gebe, sei es, dass ich meinen Mitmenschen Einfühlung gebe.

Übung: Der nächste Bitte ...

 

Für dich habe ich genau für solche alltäglichen Situationen eine kurze Übung zusammen gestellt.

 

Durch diese Übung bleibst du mit dir, deinen Gefühlen und Bedürfnissen verbunden. Du sparst Energie, die du sicherlich für wertvollere Momente einsetzen kannst.

 

  1. Erinnere dich an eine Situation, von der du glaubest übersehen worden zu sein.
  2. Was genau ist passiert. Formuliere deine Beobachtung.
  3. Wie hast du dich gefühlt? Warst du verdutzt, verwundert, irritiert, wütend, ärgerlich, genervt ...?
  4. Welches Bedürfnis war bei dir in diesem Moment nicht erfüllt? Was hättest du gebraucht?
  5. Formuliere eine Bitte an dich selbst oder an andere Personen, um in einer ähnlichen Situation künftig einfühlsam zu reagieren.

In welchen Situationen glaubst du übergangen worden zu sein? Schreib es mir und Leserinnen und Lesern in einem Kommentar. Gerne unterstütze ich dich dabei, solche Situation einfühlend zu betrachten.

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Blogserie Gewaltfreie Kommunikation fürs Büro (1): Beobachtung/Wahrnehmung - Gedanken/Bewertungen

Mit dem Begriff Gewaltfreie Kommunikation tun sich viel schwer. Du auch?

 

„Bei der Gewaltfreien Kommunikation geht es um Worte.
Bei der Gewaltfreien Kommunikation geht es nicht um Worte.
Es geht um die Haltung.“

So hat es Marshall Rosenberg, der Begründer der GFK formuliert. Mit dieser Blogserie möchte ich dich unterstützen, dein persönliches GFK Bewusstsein zu entwickeln und diese Form der verbindenden Kommunikation in deinen Arbeitsalltag einfließen zu lassen. Damit möchte ich einen Beitrag leisten, dass die Gewaltfreie Kommunikation als das wahrgenommen wird, wofür sie steht. Für eine verbindende Kommunikationsform auch in emotional herausfordernden Situationen.

In meinem ersten Beitrag dieser Serie geht es heute um die Schlüsselunterscheidung:

Beobachtung/Wahrnehmung – Gedanken/Bewertungen

„Sie machen das doch immer falsch. Ich habe Ihnen schon hundertmal gesagt, wie es richtig geht.“, „Nie können Sie pünktlich sein!“, „Das ist ja wieder typisch für mich, hätte ich doch besser gleich die Finger davon gelassen...“

 

Gedanken/Bewertungen

Diese Aussagen sind Bewertungen und drücken unsere Gedanken aus, die wir über uns selbst oder andere Personen haben. Mit Gedanken vermischte Beobachtungen verhindern den Kontakt mit den eigenen Gefühlen und Bedürfnissen. Wir bleiben im Kopf und bewerten die Situation. Moralisch. Es findet dadurch eine Einteilung in gut/böse, richtig/falsch, besser/schlechter statt.

Beobachtung/Wahrnehmung

Bei einer Beobachtung, fokussiere ich mich darauf, was ich mit meinen Sinnen wahrnehme. Was rieche, schmecke, höre oder fühle ich? Durch eine Beobachtung gelingt es leichter, mich mit meinen Gefühlen und Bedürfnissen in Verbindung zu setzen.

Übung: Wertfreie Beschreibung

Wertfreie Beschreibung: (entnommen aus dem großen Praxisbuch zum wertschätzenden Miteinander – 101 Übungen zur Inspiration Ihrer Seminare und Gruppen auf Basis der Gewaltfreien Kommunikation)

Betrachte eine Situation wie durch ein Kameraobjektiv.

Schau zum Beispiel aus dem Fenster. Was siehst du? Ich schaue gerade auf eine herbstliche Landschaft. Die Bäume werden von der Sonne angestrahlt und das Laub beginnt sich zu verfärben. Blätter segeln durch die Luft. Eine Frau fährt auf einem Fahrrad vorbei und hat ein leichtes Lächeln auf dem Gesicht. Ich sehe auch einige Autos. Einige sind geparkt und andere fahren vorbei. Manche fahren ganz langsam.

Übertrage diese Übung auf deinen Arbeitsalltag

Gibt es eine Situation, an der du dich reibst, die dich herausfordert, in der du dich ärgerst? Betrachte diese ebenfalls wie durch ein Objektiv. Was beobachtest du? Gibt es Zahlen, Daten und Fakten zur Situation, die du benennen kannst? Sind andere Personen an dieser Situation beteiligt? Wenn ja, was genau hörst du von ihnen? Was tun oder sagen sie?

Diese Übung unterstützt dich dabei, moralische Bewertungen, die du möglicherweise über eine Person oder Situation hast von einer Beobachtung zu trennen.

 

Beobachten am Anfang im Stillen nur für dich und lerne mit der Zeit den Unterschied zwischen Beobachtung und Bewertung wahrzunehmen.

Bildquellen: Pixabay, Birgit Schulze und Yo Rühmer

Wie geht es dir mit dieser Übung? Fiel sie dir leicht oder schwer? Schreib es mir und meinen Lesern in einem Kommentar.

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Blogserie Gewaltfreie Kommunikation fürs Büro (2): Signalwörter für moralische Bewertungen und Beurteilungen erkennen

Im zweiten Teil dieser Blogserie geht es weiterhin um die

Schlüsselunterscheidung: Moralische Bewertung/Gedanken – Beobachtung/Wahrnehmung

Durch moralische Bewertungen und Beurteilungen vermischte Aussagen drücken wir das aus, was und wie wir über uns oder andere denken. Diese Form der Kommunikation erschwert die Verbindung zu mir selbst und auch zum anderen.

Es gibt Signalwörter, durch die Sie eine bewertende Aussage leicht erkennen und künftig vermeiden können, zum Beispiel:

 

„gut“, „schlecht“, „besser“, „schlechter“, „richtig“, „falsch“, „immer“, „nie“, „man“, „müssen“ oder „sollen“.

 

Immer macht sie das so

Eine Kundin erzählte mir, was sie schon häufiger mit einer ihrer Mitarbeiterinnen erlebt hat:

 

„Das ist immer das selbe mit Elisabeth. Wir bereiten eine Sitzung vor und sie kommt auch dazu. Aber dann verschwindet sie sofort und wir fangen an, die Tische und Stühle anzuordnen, Getränke bereit zu stellen und die Sitzung vorzubereiten. Dabei sollte sie uns helfen. Dann wenn alles fertig ist, kommt sie wieder und setzt sich an den „gedeckten“ Tisch.“ Wo sie in der Zwischenzeit war, das wissen wir nicht. Immer geht das so!“

 

Wie geht es dir, wenn du das liest?

 

Signalwörter erkennen

Achte heute im Stillen für dich auf Signalwörter für moralische Beurteilungen oder bewertende Aussagen bei dir selbst oder in Aussagen von anderen Personen.

 

Üb dich darin, diese Signalwörter wahrzunehmen und richte deinen Fokums auf den Gebrauch dieser Worte.

 

Wann verwendest du moralische Beurteilungen? Wann hörst du welche?

 

In dem Beispiel meiner Kundin sind einige Beurteilungen und Bewertungen enthalten. Fallen sie dir auf?


Welche Signalwörter fallen dir noch ein? Schreib sie mir in einen Kommentar. Du unterstützt damit meine Leserinnen und Leser und mich, achtsamer mit Sprache umzugehen. Vielen Dank.

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Blogserie Gewaltfreie Kommunikation fürs Büro (3): Gefühle, Gefühle, Gefühle

Zwei unterschiedliche Gefühlsituationen

  1. Stell dir eine Vertrieberlin vor, die gerade einen Abschluss erzielt hat, auf den sie lange und mit viel Unterstützung durch ihr Team hingearbeitet hat. Sie freut sich sehr. Ihre Freude drückt sie durch Wertschätzungsemails aus, lädt ihre Mitarbeiter zu einer spontanen kleinen Feier ein und stößt auf den Abschluss mit allen Beteiligten an. Sie freut sich und verleiht ihrer Freude Ausdruck.
  2. Oder stell dir einen Projektleiter vor, der eben erfahren hat, dass ein wichtiger Meilenstein nicht gehalten werden kann. Er geht nicht einfach zur Tagesordnung über. Der Schock über die Nachricht verschlägt ihm vermutlich erst einmal die Sprache. Auch das ist ein Ausdruck von Gefühl. Sprachlosigkeit oder Schockstarre.

 

Darf eine Vertrieblerin ihrer Freude am Arbeitsplatz Ausdruck verleihen? Darf ein Projektleiter seine Schockstarre oder Sprachlosigkeit zeigen?

Gefühle am Arbeitsplatz – ein Widerspruch?

Wenn du mich fragst? Nein. Du bist ein Mensch. Du hast Gefühle. Nur weil du in einem Unternehmen arbeitest, kannst du deine Gefühle nicht wie einen Mantel ausziehen und morgens an der Garderobe abgeben.Gefühle sind in uns drin, entstehen in uns durch unterschiedliche Auslöser und begleiten uns unser Leben lang. Dies gilt ebenso für deine Mitmenschen.

 

Durch äußere Einflüsse (kulturelle, erzieherische, Vorbilder …) haben wir es gelernt unsere Gefühle in bestimmten Situationen zu kontrollieren oder auch dauerhaft zu ignorieren. Bei uns selbst und auch bei unseren Mitmenschen.

 

Gefühle sind Wegweiser zu erfüllten und unerfüllten Bedürfnissen

In meinen Coachings und Seminaren erlebe ich immer wieder, dass Gefühle zeigen mit Weichheit oder Gefühlsduselei gleich gesetzt wird. Die Angst, es könnte ein Kollege heftige Gefühle zeigen, ist oftmals die Angst davor, nicht angemessen darauf reagieren zu können.

 

Unterstütze ich meine Klienten dabei, Gefühle als Hinweis auf Bedürfnisse zu sehen, löst sich die Angst davor auf. Sie fühlen sich in solchen emotionalen Situationen sicherer.

Schlüsselunterscheidung: Auslöser für Gefühle - Ursache für Gefühle

Auslöser für Gefühle ...

... sind Ereignisse, durch die unsere Bedürfnisse erfüllt oder nicht erfüllt sind. Wenn ich "Auslöser" von "Ursache" unterscheiden kann, bin ich nicht mehr Opfer (Opfer der Ereignisse, von den Handlungen anderer abhängig, ...). Ich kann Wege finden, mir meine Bedürfnisse zu erfüllen, ohne dem Auslöser Verantwortung für meine Gefühle zu geben. Dadurch habe ich Handlungsfreiheit.

 

Bin ich mir bewusst, dass ich erfüllte/unerfüllte Bedürfnisse hinter meinen Gefühlen in dieser konkreten Situation habe?

Ursache für Gefühle ...

... sind erfüllte oder unerfüllte Bedürfnisse. Ich übernehme die Verantwortung, Auslöser und Ursache für meine Gefühle zu unterscheiden und meine Bedürfnisse zu erfüllen.

 

Welche Bedürfnisse sind erfüllt/unerfüllt? Bin ich mir bewusst, dass meine Gefühle von meinen Bedürfnissen verursacht werden?

Übung: Gegenwart

Schließe deine Augen und spüre in dich hinein. Was spürst du? Kannst du dein Gefühl benennen? Wie würdest du es bezeichnen? Wo in deinem Körper spürst du es?

 

Finde heraus, welches Bedürfnis für dich in Zusammenhang mit diesem Gefühl gerade erfüllt oder unerfüllt ist.

 

Wiederhole  diese Übung mehrmals täglich in verschiedenen Situationen, z.B. wenn du morgens ins Büro kommst, während einer Besprechung, nach einem wichtigen Telefonat, vor einer Sitzung oder kurz vor Feierabend.

 

Zur Unterstützung findest du auf http://www.birgitschulze.com/aktuelles/downloads/ eine Gefühlsliste zum Aufbau deines Gefühlswortschatzes.

 

Diese Übung und die Schlüsselunterscheidung stammen aus: Das große Praxisbuch zum wertschätzenden Miteinander – 101 Übungen zur Inspiration Ihrer Seminare und Gruppen auf Basis der Gewaltfreien Kommunikation.


Was ist für Sie ein passender Zeitpunkt diese Übung durchzuführen? Teilen Sie es mit mir und meinen Leserinnen und Lesern in einem Kommentar.


Bildquelle: www.pixabay.de und Birgit Schulze und Yo Rühmer

 


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Backe backe Kuchen

Meine Oma konnte es. Ich kann es nicht.

Rezepte einfach aus der Hand schütteln. Egal ob es sich dabei um einen Frankfurter Kranz oder die Zubereitung eines Sauerbratens mit selbst gemachten Kartoffelknödeln handelte. Sie hatte die Zutaten und Mengen im Kopf, kochte und buk einfach drauf los. So etwas wie ein Kochbuch kannte sie nicht!

Wenn ich sie nach dem Rezept fragte, antwortete sie: "Ei da nimmste Mehl, e paar Eier, e Weng Zucker, Butter, Marmelade machst ne Buttercreme, verzierst des ganze mit Krokant unn fertisch is de Frankfurter Kranz."

Hää? Also wenn ich nach so einer Vorgabe einen Kuchen backen soll, kommt bei mir wahrscheinlich irgendwas raus, aber keines falls ein Frankfurter Kranz.

Rezepte und Anleitungen erleichtern die Kommunikation

Siehst du auf was ich hinaus will?


Wenn du Mitarbeiter hast, die die von dir aufgetragenen Aufgaben anders erledigen, als du es die vorgestellt hast, dann
gieb ihnen ein "Rezept". Sage genau, was du brauchst und wie du es dir vorstellst.

Ein Beispiel: Erstellung einer Kundenliste

Du bittest eine Mitarbeiterin eine Kundenliste zu erstellen.

Welche Angaben soll diese Liste enthalten? Was hast du mit dieser Liste vor?

 

Überlege dir genau, welche Infos du benötigst, damit sie  eine Ahnung davon bekommt, welche Informationen sie für dich zusammenstellen soll.

z.B. Vorname, Name, Kontaktdaten (was genau: Telefon, eMail, Website...), Anschrift, Beruf, was auch immer du an Infos benötigst.

Nur, wenn du deinen Mitarbeitenden sagst, was du benötigtst, können sie die Daten in der Qualität liefern, wie du es von
ihnen erwartest.

Für dich eine Selbstverständlichkeit?

Ja, ganz sicher. Für dich ist es selbstverständlich, wie diese Liste aussieht, weil du bereits eine Vorstellung davon habst.Für die andere Person, der du den Auftrag gibst, ist es jedoch noch lange nicht selbstverständlich.

Denn nur wenn sie deine Erwartungen genauestens kennt, kann sie sie auch erfüllen. Ansonsten tappt diese Person im Dunklen.

Mein Tipp zum Abschluss:

Sei so klar und deutlich in deinen Anforderungen wie möglich. Dadurch erhöht sich die Qualität der zu erbringenden Leistung.

 

PS: Neulich habe ich dann tatsächlich mal einen Frankfurter Kranz im Gedenken an meine Oma gebacken. Das Rezept habe ich mir einfach aus dem Netz besorgt. Und geschmeckt hat er fast genauso gut.

 

 

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Gewaltfreie Kommunikation - 5 Tipps, wie du ab sofort gewaltfrei kommunizieren kannst

 

Kennst du das? Du sagst etwas und plötzlich schlägt dir dein Gesprächspartner verbal voll auf die 12?

 

Damit du künftig souverän in solchen Situationen handeln kannst, habe ich 5 Tipps für dich zusammen gestellt. Durch diese 5 Tipps erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass dein Gegenüber dich so hört, wie du es dir wünschst.

1. Tipp: Freu dich, wenn du einen Konflikt erkannt hast. Denn jetzt hast du die Möglichkeit dauerhaft etwas zu verändern.

Stellen dir vor, du hast deinen Kollegen um die Bereitstellung von Unterlagen gebeten und fragst nun folgendes: "Klaus, ich hatte Dich doch vor zwei Tagen um die Bereitstellung der Unterlagen gebeten. Hast Du sie schon fertig?"

Klaus reagiert sehr genervt und seine Stimme wird zunehmend lauter, als er antwortet:

"Nein, habe ich nicht und werde ich auch so schnell nicht fertig bekommen. Und außerdem wieso fragst Du mich das überhaupt? Hier gibt es doch noch mindestens 10 andere Personen, die Du hättest ansprechen können. Soll es doch einer von denen machen!"

 

Ups, da ist einer wirklich sauer. Jetzt gibt es viele Möglichkeiten, wie du reagieren kannst. Eine wirkungsvolle ist diese: Freu dich, über Klaus Ärger, denn mit Hilfe der folgenden 4 Tipps, kannst du ihm so begegnen, dass die Situation nicht weiter eskaliert.

Mein extra Tipp:

Akzeptiere den Ärger des anderen, ohne damit einverstanden zu sein.

Nimm ihn einfach als Menschen an, der gerade sehr genervt, wütend oder verärgert ist.

2. Tipp: Beziehe dich auf den Gefühlszustand deines Gesprächspartners und wiederhole, was du von ihm gehört hast.

Du hast ja bereits festgestellt, das Klaus sauer und genervt ist.

 

Aber wie kannst du nun mit ihm sprechen, dass er nicht total ausflippt?

 

Verzichte auf moralische Bewertungen, wie z.B. „Immer ist das bei Dir so“, oder „Auf Dich ist kein Verlass“. Beziehe dich statt dessen auf seinen momentanen Gefühlszustand.

 

Du kannst beispielsweise sagen: "Klaus, Du bist echt wütend, verärgert, genervt, frustriert, ... oder?"

 

Gib ihm Zeit sich darauf zu beziehen.

 

Dann erst wiederhole in Ihren eigenen Worten, was du von Klaus gehört hast. "Du konntest die Unterlagen nicht zusammenstellen, habe ich Dich da richtig verstanden?"

3. Tipp: Vermute sein unerfülltes Bedürfnis

Bedürfnisse sind der Motivator für unsere Handlungen. Wir handeln immer in Erfüllung eines Bedürfnisses. Das ist eine der Grundannahmen der Gewaltfreien Kommunikation. Einige Bedürfnisse habe ich für dich im folgenden aufgelistet: Autonomie, Echtsein, Beitragen, Unterstützung, Ruhe, Wertschätzung, Sicherheit, Verbindung.

 

Auch Klaus erfüllt sich gerade ein Bedürfnis, wenn er wütend, genervt oder verärgert ist und die Unterlagen nicht bereit stellt. Die Gefühle, die wir wahrnehmen sind die Signale, die uns anzeigen: Achtung, da ist gerade ein Bedürfnis erfüllt oder unerfüllt.

 

Im folgenden findest du eine Auswahl an Gefühlen, wenn Bedürfnisse unerfüllt sind: allein, leer, kalt, schockiert, traurig, genervt, durcheinander, frustriert, schlapp, unruhig, schwer, wütend, ärgerlich, ...

 

Und hier habe ich eine Auswahl an Gefühlen für Sie zusammengestellt, wenn unsere Bedürfnisse erfüllt sind: fröhlich, leicht, beschwingt, friedlich, ruhig, liebevoll, heiter, sorglos, warm, satt, wirksam, ...

 

Und Klaus, wie er sich fühlt, das haben wir ja schon herausgefunden. Er ist wütend, verärgert, genervt.

 

Bleibt noch zu klären, welches Bedürfnis bei ihm gerade nicht erfüllt ist. Frag ihn: "Klaus, kann es sein, dass Du gerade viel zu tun hast und gerne selbst entscheiden möchtest (Bedürfnis: Autnonmie), welche Aufgaben Du erledigst?"

4. Tipp: Formuliere deine Bitte an deinen Gesprächspartner

Bis jetzt habst du dich in deinen Gesprächspartner eingefühlt.

 

Du hast heraus gefunden, wie es ihm geht und welches Bedürfnis bei ihm derzeit unerfüllt ist. Großartig!!!

 

Damit hast du dich deinem Gegenüber auf empathische Weise genähert. Dein Gesprächspartner wurde von dir gesehen und gehört, mit dem was ihm wichtig ist. Du hast eine Verbindung zwischen euch hergestellt. Und wie geht es jetzt weiter?

 

Klar ist es für dich auch wichtig, dein Anliegen zu erfüllen. Mit der Bitte an deinen Gesprächspartner kommst du in Handlung. Eine Bitte ist dann eine Bitte, wenn Sie

  • positiv formuliert ist,
  • konkret und machbar,
  • sich auf das hier und jetzt bezieht
  • und ganz wichtig, dem anderen die Wahl lässt, sie zu erfüllen.

Du kannst zwei Arten von Bitten äußern. Eine Verbindungsbitte und eine Handlungsbitte.

 

Bei der Verbindungsbitte hälst du die Verbindung zur anderen Person. Du kannst fragen, wie es ihr geht oder was er von dir gehört hat.

 

Verknüpfe die Bitte mit einer Ich-Botschaft, dann erhöhst du die Wahrscheinlichkeit, dass sie dir zu hört und offen ist für deine Bitte.

Und so sieht eine Ich-Botschaft aus.

Sie enthält im mindestens drei Bestandteile :

1. Die moralisch wertfreie Beobachtung zur Situation,

2. Die eigene Gefühlslage

3. Das eigene unerfüllte Bedürfniss. 

 

"Klaus, ich habe von Dir gehört, dass Du genervt und verärgert bist, weil Du gerne selbst entscheiden möchtest, welche Aufgaben Du erledigst. (Beobachtung). Ich bin gerade irritiert (Gefühl), weil ich Klarheit (Bedürfnis) brauche,  in Bezug auf die Bereitstellung der Unterlagen. Kannst Du mir sagen, was Du von mir gehört hast?"

 

Eine Handlungsbitte bezieht sich auf eine konkrete, jetzt machbare Handlung. Auch bei der Formulierung der Handlungsbitte kann es hilfreich sein, einen Selbstausdruck voranzustellen.

 

"Klaus, ich bin gerade irritiert (Gefühl), weil ich Klarheit (Bedürfnis) brauche, in Bezug auf die Bereitstellung der Unterlagen. Ist es Dir möglich, die Unterlagen jetzt in den nächsten 30 Minuten zusammen zu stellen?"

5. Tipp: Gehe zurück auf "Los" und bleibe dran

Natürlich kann es sein, dass  dein Gesprächspartner deine Bitte nicht erfüllt, wieder wütend wird oder auf andere unerwünschte Weise reagiert.

 

Bleib dran. Du hast es schon einmal geschafft, eine empathische Verbindung zu herzustellen, du schaffst das auch noch ein zweites Mal.

 

Kommunikation ist eben kein geradliniger Prozess. Wir drehen ständig, Schleifen, Kurven, mal geht es bergauf und dann auch wieder bergab. Beginne einfach von vorne und wiederhole die einzelnen Schritte.

 

Durch diese 5 Tipps, hast du einen verlässlichen Wegweiser erhalten, wie du durch unwegbare Kommunikationssituationen sicher und unverletzt hindurch kommst. Am Ende erwartet dich eine vertrauensvolle und kooperationsbereite Beziehung zu deinen Mitmenschen.

 

Probiers aus. 

Viel Erfolg wünscht dir auch Klaus.

Zufrieden ins Büro
Birgit Schulze - die Wirtschaftsmediatorin

 

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Bildquelle: Birgit Schulze und Foto Hirch Darmstadt

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