„Jemanden umbringen zu wollen, reicht nicht aus“ - 4 Expertinnen-Interviews zum Thema:

"Sicherer Umgang mit starken Gefühlen im Business" und die persönlichen Antworten erfahrener Business Frauen

Expertinnen zum Thema "Sicherer Umgang mit starken Gefühlen im Büro"
Copyright: Judith Andresen, Susanne Lorenz, Beata Lange Fotografin, Foto Hirch Darmstadt

Ob Kommunikationsexpertin, Agilistin oder Online-Vertriebsexpertin. Mit den Emotionen Wut und Ärger beschäftigen sich viele Menschen in unterschiedlichen Berufszweigen und damit auch auf unterschiedlichen Ebenen. Und auch mir begegnen diese starken Gefühle immer wieder in meinen Coachings, Team-Mediationen und manchmal auch im Privaten.

Für mich steht fest. Wut und Ärger rauben Energie, belasten die Beziehungsebene und haben Konsequenzen.

Erfahre heute wie Kommunikationsexpertin Susanne Lorenz, Agile Coach Judith Andresen, Online-Vertriebsexpertin Christina Bodendieck und GFK Urgestein Irmtraud Kauschat Wut und Ärger begegnen und ob sie einen (beruflichen)

Nutzen in diesen starken Emotionen sehen.

Susanne Lorenz ...

… findet es wichtig zu verstehen, dass jeder seine Auslöser hat.

Susanne ist Trainerin und Coach und arbeitet mit ihren namenhaften Firmenkunden so wie ich auf Basis der Gewaltfreien Kommunikation. Sie hat das Buch "Superkräfte für Führungskräfte - Gewaltfreie Kommunikation im Beruf" geschrieben (auch als E-Book erhältlich). www.wirksam-kommunizieren.de

Copyright: Susanne Lorenz
Copyright: Susanne Lorenz

Wenn ich einem wütenden Menschen begegne, kann ich mich generell gut in den anderen versetzen. Schließlich weiß ich, wie es ist, wütend zu sein.

 

Je nach Kontext fühle ich mich „gewappnet“, weil ich weiß, wie ich damit umgehen kann oder ich bin frustriert, weil ich mir mehr Leichtigkeit in der Kommunikation wünsche.

 

Letztlich geht es aber immer wieder darum zu verstehen, dass jeder seine Auslöser hat und nicht jeder weiß, wie er seine nicht erfüllten Bedürfnisse wertschätzend zum Ausdruck bringen kann. Habe ich die Kraft, kann ich unterstützen.

 

 

Meiner Meinung nach ist Wut nicht vorteilhaft für andere, wenn man sie ungefiltert rauslässt. Sie raubt Energie und führt zu Konsequenzen, die wieder gelöst werden müssen. Für die wütende Person kann es durchaus einen Vorteil bringen, wenn sie die Wut auslebt und sich so Raum verschafft. An sich gehört die Wut zu jedem Menschen und seinem natürlichen Gefühlshaushalt. Die Frage ist immer, wie schnell man sie erkennt und wie man sie kommuniziert.

Judith Andresen ...

… schätzt es in einem Team zu arbeiten, in dem alle Gefühle ihren Platz finden.

Sie ist eine Organisationsentwicklerin, die Teams und Unternehmen bei der Einführung agilen Arbeitens, agilen Denkens und Führens unterstützt. Schwerpunktmäßig begleitet sie als agiler Coach Unternehmen in ihren agilen Transitionen. Sie bloggt regelmäßig, schreibt Fachartikel und Bücher. Und hält regelmäßig Vorträge über die Erkenntnisse und Erlebnisse ihrer Arbeit. www.judithandresen.com

Copyright: Judith Andresen
Copyright: Judith Andresen

Im Coaching Alltag begegnen mir immer wieder wütende oder verärgerte Menschen. Das sind dann beispielsweise Menschen, denen Veränderung angekündigt oder verweigert wurde.

 

Ich begegne wütenden oder verärgerten Menschen mit Empathie, Distanz zur Sache und Dissoziiertheit zum System. Als Coach sehe ich dann Menschen, die Kontakt zu sich selbst haben, und in erster Linie ihren Emotionen Platz verschaffen. Das öffnet den Raum, über Bedürfnisse und Handlungsräume zu sprechen.

 

Agil zu arbeiten, heißt zu lernen, sich zu entwickeln, einen guten, erfolgreichen Weg zu finden. Auf dem Weg liegen Fehlentscheidungen, fehlgeschlagene Experimente und Fehlannahmen. Das kann zu Wut und Ärger führen. Das gehört zum Bild genauso dazu wie Freude oder Übermut.

 

Als Vorgesetzte und Teammitglied begegnen mir auch Wut und Ärger innerhalb unseres Teams. Auch wenn es für den Moment anstrengend ist, auf Augenhöhe, fair, zugewandt mit Wut und Ärger umzugehen, schätze ich es, in einem Team zu arbeiten, in der alle Gefühle ihren Platz finden. Für den Moment kann es dann schwierig sein, Wut und Ärger nicht mit (Hierarchie-) Mustern zu begegnen. In dieser Überwindung kann eine Anstrengung liegen. Es macht uns besser -- und wir begegnen uns als Menschen.

 

 

Ich glaube, dass jede Emotionsäußerung im beruflichen Kontext von Vorteil ist. Menschen arbeiten mit Menschen zusammen. Sie teilen ihre (Lebens-)Zeit. Ich verstehe nicht, wie dass gesund ohne Emotionen geschehen kann und soll. Damit meine ich explizit auch Gefühle, die negativ konnutiert sind.

 

In Wut liegt häufig der Wille und der Handlungsraum für eine (positive) Veränderung. Das gilt auch für Ärger. In-sich-Hineinfressen oder "das ist hier Beruf, da bin ich professionell, wenn ich keine Gefühle habe / zeige" führen eher in eine Duldung von Handlungen, die eigentlich Wut und Ärger auslösen. Duldung bringt die Beteiligten aber nicht weiter -- und macht leicht krank (im direkten und / oder übertragenen Sinne). 

 

Weiter kommen Menschen -- gerade auch im Beruflichen -- durch Austausch, sich zumuten, Kommunikation.

 

In diesem Sinne: nur raus damit!

Christina Bodendieck ...

… möchte zunächst herausfinden, worum es der verärgerten Person geht.

Sie begleitet seit über 16 Jahren als selbständige Akquise- und Vertriebsmentorin ihre Kunden auf dem Weg zu neuen Auftraggebern und macht sie stark für ihre Kundengewinnung. www.christinabodendieck.de und  www.akquise-plus.de

Copyright: Beata Lange - Fotografin
Copyright: Beata Lange - Fotografin

Christina Bodendieck findet es wichtig zwischen beruflichen und privaten Situationen zu trennen, in denen ihr verärgerte Menschen begegnen.

 

Vor allem möchte sie herauszufinden, worum es der verärgerten Person geht. Christina Bodendieck arbeitet in einem solchen Fall gerne mit W-Fragen. 

 

Diese W-Fragen geben Raum, heraus zu finden, was genau den Ärger bei dem Gesprächspartner ausgelöst hat.

  • Worum geht es? 
  • Was hat verärgert?
  • Wie kommt es dazu?

Voraussetzung für einen konstruktiven und positiven Verlauf einer solchen Ärger-Situation ist es aus Christine Bodendiecks Sicht, die Verbindung zum anderen zu halten. (Auszug aus dem Live-Video zum Thema "Sicherer Umgang mit starken Gefühlen im Büro" mit Christina Bodendieck)

 

Wenn du weiter wissen willst, welche Experten-Tipps Christina Bodendieck noch hat, schau dir das 10 Minütige Expertinnen-Interview zum Thema "Sicherer Umgang mit starken Gefühlen im Büro" jetzt an.

Irmtraud Kauschat ...

… findet, dass Ärger auch im beruflichen Kontext sinnvoll sein kann.

Irmtraud ist Trainerin für Gewaltfreie Kommunikation mit internationaler Erfahrung und arbeitet seit mehr als 15 Jahren als Mediatorin in internationalen Krisenherden ist Ärztin für Chinesische Medizin und bietet individuelles Coaching. Sie ist außerdem Gründungsmitglied und im Vorstand von D-A-CH Deutsch sprechender Gruppen für Gewaltfreie Kommunikation e.V. und dem Netzwerk Gewaltfreie Kommunikation Darmstadt-Südhessen e.V. und Autorin verschiedener GFK-Fachbücher. www.gewaltfrei-darmstadt.de

Fotostudio Hirch
Fotostudio Hirch

Für Irmtraud Kauschat ist aufkommender Ärger ein Ausdruck dafür, dass etwas nicht stimmt. Und, dass es höchste Zeit ist, sich darum zu kümmern.

 

Früher war Irmtraud einfach nur erschrocken, wenn ihr eine verärgerte Person begegnete. Heute hat sie dank der Gewaltfreien Kommunikation eine verlässliche Strategie, um die Verbindung zum anderen herzustellen.

 

Aus ihrer Sicht, kann durch die Unterdrückung von Ärger, ein großer Konflikt entstehen. 

 

Wie es Irmtraud heute in solchen Situationen geht und welche Tipps sie für dich bereit hält, erfährst du in dem 10 minütigen Interview, dass ich vor ein paar Tagen mit ihr drehte. Hier gehts zum Video.

Mein Fazit:

Wut und Ärger sind natürliche Reaktionen, um auf die eigenen unerfüllten Bedürfnisse hinzuweisen – auch wenn die gewählte Strategie nicht immer lebensdienlich ist. Es handelt sich um Emotionen, die uns als Mensch ausmachen. Auch im Büro.

 

Die gute Nachricht ist: Diese Emotionen bieten eine Chance. Nämlich die zur Veränderung, zum endlich Sichtbar machen der sooo lange unerfüllten Bedürfnisse. Marshall Rosenberg hat uns mit der Gewaltfreien Kommunikation einen lebensdienlichen Ansatz mitgegeben, „Wut und Ärger aus vollem Herzen und mit ihrer ganzen Wucht auszudrücken“, ohne dabei noch mehr Beziehungsporzellan zu zerdeppern. Jemanden umbringen zu wollen, reiche nicht aus, meinte Rosenberg, es brauche wirkungsvollere Strategien, um der Wut und dem Ärger einen angemessenen Ausdruck zu verleihen.

 

Der Wüterich oder die verärgerte Kollegin können gerade nicht kooperativer handeln. Denn sie sind im Ärger gefangen. Hilfreich ist eine klare und unterstützende Intervention auf Augenhöhe, um diese Wut und den nagenden Ärger in eine konstruktive Energie zu verwandeln. Also liegt es auch an dir, wie du künftig mit starken Gefühlen im Büro umgehen möchtest.

 

Damit du handlungsfähig bleibst, lade dir meine kostenlose Anleitung „Sicherer Umgang mit starken Gefühlen“ herunter.

  

Lass mich wissen, welche Erfahrungen du mit starken Gefühlen im Büro gemacht hast. Oder wie du zu den Meinungen der Expertinnen stehst?  Hinterlasse unten deinen Kommentar.

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