"Mein Chef ist der größte Ar*** unter der Sonne!!!"

5 Inspirationen, warum es bis jetzt wertvoll war, dich über deine Führungskraft aufzuregen

Bildquelle: Mathew Schwartz - Unsplash
Bildquelle: Mathew Schwartz - Unsplash

Gehörst du zu denen, die unter ihrer Führungskraft leiden? Unter der Persönlichkeit, mangelnder Führungskompetenz oder im schlimmsten Falle unter beidem?

Miriam S.* schilderte mir in einem Coaching ihren Fall. In ihrem Unternehmen – einem Firmencaterer - gebe es einen neuen Leiter. Dieser Leiter neige zu cholerischen Anfällen gegenüber Mitarbeitenden und Gästen, berichtete sie.

 

Er betone ständig, dass er ja jetzt hier der Chef sei und gefälligst alles nach seiner Pfeife zu tanzen habe. Und er verändere alles – einfach alles ohne zu beachten, wie und warum etwas gemacht werde. Ob es sich dabei um interne Prozesse oder Veranstaltungen handele, sei ihm dabei ganz egal. Mit der Pauschalaussage: „Das haben Sie wohl früher so gemacht und das ist der Grund, warum wir es jetzt so machen, wie ich es will!“ wird alles etablierte über den Haufen geworfen.

 

Zum Leid der Beschäftigten und zum Leid der Gäste. Miriam S. und viele ihrer Kolleginnen sowie Gäste leiden darunter. Da gibt es viel Veränderungspotenzial für den neuen Leiter –

keine Frage.

 

Gleichzeitig wird er uns diesen Gefallen nicht tun. Sich zu verändern. Keine Führungskraft wird dies vermutlich tun. Nicht jetzt. Nicht dann, wenn ich es einfordere. Und nicht auf die Art und Weise, wie ich es gerne hätte.

 

* Name und Unternehmen sind anonymisiert, um Rückschlüsse auf Person und Unternehmen zu vermeiden. 

Was bringt es dir also, nicht gleich das Handtuch zu werfen?

In diesem Blogartikel lade ich dich ein, das Handtuch in der Hand zu behalten, den Fehdehandschuh auszuziehen, und jetzt erst einmal tief durchzuatmen.

 

Ghandi hat gesagt:

 

„Sei du die Veränderung,
die du in der Welt sehen willst.“

 

Wenn du eine Führungskraft haben möchtest, die wertschätzend, offen, beratungswillig, unterstützend, beitragend, … ist, dann sei es selbst. Ja, auch dem größten Ar*** unter der Sonne gegenüber. 

 

Im Folgenden findest du 5 Inspirationen, was und wie du deine Situation ändern kannst.

Stell dir mal vor, du regtest dich nicht über diese Person auf. Dann gäbe es keinen Grund etwas zu verändern. Dann wäre ihr Verhalten ganz „normal. Glücklicherweise sind wir mit einem lebensdienlichen Wertesystem (so etwas wie Gewissen, einer moralischen Instanz, einem Gerechtigkeitssinn) und unseren Bedürfnissen ausgestattet. Und einem Gefühlsleben, dass uns immer wieder Hinweise auf erfüllte oder unerfüllte Bedürfnisse liefert.

 

Marshall Rosenberg hat gesagt,  

… es gebe nur zwei Zustände, in denen wir uns jederzeit befinden: Im Zustand des Feierns oder des Bedauerns/ Trauerns.

Wir feiern dann, wenn unsere Bedürfnisse erfüllt sind.

 

Wir bedauern/trauern, wenn sie es nicht sind.

 

Wobei es hier nicht zwingend darum geht, ständig in den Zustand des Feierns zu

kommen. Sondern auch, den Zustand des Trauerns/Bedauerns wahrzunehmen und

anzunehmen.

 

So ein Ar*** unter der Sonne ist doch ein wunderbarer Auslöser, um diesen Zustand des Bedauerns wahrzunehmen. Denn ich bin sehr sicher, dass bei dir gerade in Bezug auf eine solche Führungskraft einige Bedürfnisse nicht erfüllt sind. 

 

Schule dich in Selbst-Empathie

Vermutlich bist du genervt, stinksauer, wütend, verärgert, frustriert? Ja, das ist nachvollziehbar.

 

Eine Menge deiner Bedürfnisse wurden in der letzten Zeit so gar nicht gesehen, wage ich zu behaupten.

 

Da  gibt es einen Chef, der alles über den Haufen wirft. Ohne zu sehen, was es

damit Gutes auf sich hatte. Ohne zu sehen, was du und deine Kolleginnen in der Vergangenheit alles geleistet habt. Ohne anzuerkennen, dass da viel Herzblut, Engagement, Zeit und Energie drin steckt. Und Gehirnschmalz. Schließlich machst du deinen Job schon seit einiger Zeit. Es fehlt dir vermutlich Wertschätzung, Respekt, Gesehen werden, Transparenz und Verbindung.

 

Ich kann mir auch gut vorstellen, dass es dir wichtig ist, ernst genommen zu werden, auf Augenhöhe zu kommunizieren und nicht wie klein Doofi in der Ecke zu stehen.

Wie würdest du jetzt deinen Zustand beschreiben, in dem du dich gerade befindest?

Ist da bei dir auch eine gewisse Ratlosigkeit spürbar? Oder eine Verzweiflung, dass es nie besser werden kann mit so einem Menschen? Der neben seiner narzisstischen Störung auch noch total beratungsresistent ist?

 

Was würde dir jetzt am besten helfen? Hier und jetzt. Brauchst du Unterstützung, Klarheit, Transparenz? Was ist dein unerfülltes Bedürfnis in dieser Sache?

 

Das war Schnell-Empathie. Bist du deinen erfüllten Bedürfnissen auf die Spur gekommen? Und wie geht es dir jetzt?



Gibt es etwas wofür du dankbar sein kannst in dieser sch*** Situation?

Ja, ich weiss, es fällt unglaublich schwer zu sehen, dass daraus auch etwas Positives entstehen kann. Wenn es dir jetzt sehr schwer vorkommt, dann lass es einfach. Vielleicht kannst du es zu einem anderen Zeitpunkt.

 

Denn ich kann mir vorstellen, dass du diese Veränderung nicht selbst herbeigeführt hast, sondern es als „aufgezwungen“ erlebst. Bleibe versöhnlich mit dir. Du brauchst hier nichts erzwingen. 

 

Wenn du dennoch neugierig bist, dann habe ich ein paar Denkanstöße für dich:

 

  • Was hat sich durch die neue Führungskraft zum Positiven für dich verändert?
  • Und wenn du schon länger mit diesem Menschen zusammen arbeitest, was kannst du für dich positiv bewerten?
  • Wie ist es beispielsweise in deinem Team? Rückt ihr näher zusammen?
  • Wurden lang anstehende Entscheidungen getroffen?
  • Gab es mehr Geld, weniger Arbeitszeit?
  • Habt ihr neue Kunden hinzubekommen?
  • Gibt es andere Bereiche im Unternehmen, die sich verändert haben und dadurch gab es eine positive Auswirkung für dich?
  • Gehst du seit neuestem pünktlich nach Hause und machst keine Überstunden mehr?

 

Was fällt dir ein, das sich zum Positiven für dich verändert hat?

 

Was konkret brauchst du im Umgang mit deiner Führungskraft?

 

Du kannst sicher sein, sie wird immer wieder mit ihren Hauruck-Aktionen kommen, dich kalt erwischen, bloß stellen, klein halten, … also brauchst du vermutlich so etwas wie Handlungssicherheit für dich. Damit du nicht in die Ohnmacht fällst, wenn wieder ein Angriff kommt. Verbaler oder auch aktiver Natur. Diese Handlungssicherheit hast du übrigens immer auch für andere unvorhergesehenen Situationen parat. Großartig kann ich sagen.

 

Miriam S. hat ganz gezielt daran gearbeitet, aktiv zu hören. Sie übte mit mir im Rollenspiel, das Gehörte zusammen zufassen. Und nachzufragen.  Zu fragen, ob es das ist, was er ihr damit sagen wollte. Das hat drei Vorteile.

  1. Er fühlt sich mit dem gesehen und gehört, was er sagen will. Denn er ist ja die Führungskraft und will gesehen und gehört werden. Von seinen Mitarbeitenden. Dies ist eine Form von Wertschätzung, die sie ihm dadurch entgegen bringt.
  2. Sie spiegelt ihm dadurch, seine Aussage und lässt sie bei ihm. So hört er nochmal in anderen Worten, was er sagen möchte und bekommt die Chance zur Reflektion.
  3. Und sie bleibt dadurch aktiv am Gespräch beteiligt und auf Augenhöhe, das erfüllt ihr Handlungssicherheit. Beispiel: „Herr Meier-Müller-Schulze, ich brauche nochmal Klarheit. Sie sagen, das Winterfest soll demnächst im Foyer statt finden, habe ich Sie da richtig verstanden?“ Pause – Pause – Pause. Oder "Ihnen ist es wichtig, dass wir die Angelegenheit auf diese Weise regeln?"

Die Führungskraft als Menschen sehen. Es ist leicht zu sagen, dass ist der größte Ar*** unter der Sonne, der Narzisst, der Testosteroni, …. Da gibt es einiges an bewertenden

Zuschreibungen. Ich persönlich hatte mal einen kleinen Diktator.

 

Das alles sind Feindbilder. Feindbilder haben wir immer dann, wenn wir denken: "Der andere ist wie …, ist ein …., sollte es so oder so machen."

 

Und es ist manchmal ganz schön schwer, den Menschen dahinter zu sehen. Und in dieser Haltung zu bleiben. Doch eines ist klar. Er oder sie ist ein Mensch. Aus Fleisch und Blut. Mit Gefühlen und erfüllten und unerfüllten Bedürfnissen – genau wie du.

 

Und vermutlich sind viele seiner Bedürfnisse im Job im Mangel. Stark im Mangel. Und sie kennt keine bessere Strategie zur Erfüllung als Herumkommandieren, Besserwissen, Sabotieren, Intransparenz herstellen, im Unklaren lassen, meckern, motzen, klugschei***.

 

Ich finde es auch immer wieder erstaunlich und unglaublich, wie und warum solche Menschen in eine Führungsposition gelangen. Dazu gibt es viele Erklärungen. Und es wird so

bleiben. Da bin ich sicher – zumindest noch eine Weile. Das Gute daran ist, du erhältst  dadurch die Chance, auf so eine Person zu treffen und persönlich zu wachsen.

 

Deshalb ist es umso wichtiger, sich selbst zu stärken und im besten Sinne des Wortes zu bemächtigen, Führungskräften immer auf Augenhöhe zu begegnen.

 

Das Zauberwort ist hier: VERBINDUNG. Verbindung zu sich selbst halten, um dann die Verbindung zum anderen herzustellen.

 

Ich berufe mich nochmal auf Marshall Rosenberg, der sagte: Connection first. Geh erst in die Verbindung, bevor du in Aktion verfällst.

 

Meiner Erfahrung nach haben solche Führungskräfte, wie ich sie oben beschrieben habe, oft die Verbindung zu sich und die Bodenhaftung zum Unternehmen verloren. Und diese Verbindung braucht es, um gemeinsam zum Wohle des Unternehmens zu handeln.

 

Damit du das Handtuch nicht hinwirfst, eure Kundinnen zufrieden sind und du auch morgen wieder zufrieden ins Büro gehen kannst.



Übringens: Das ganze kannst du auf jede andere Person auch anwenden, über die du dich ärgerst.  Es gibt ja bekanntlich nicht nur Führungskräfte, die einem das Leben schwer machen. Nein, es gibt nervtötende Kundinnen, Kollegen, Mitarbeitende, Nachbarinnen, Autofahrer, Radfahrer, Fußgängerinnen, Kinder, Lehrerinnen, Fußballtrainer, Fußballspielerinnen, Bahnangestellte, … 

 

Wer immer aus deiner Sicht, dein Leben erschwert - danke ihm oder ihr und freue dich, dass du daran wachsen kannst. 

Hinterlasse mir hier gerne einen Kommentar und erzähle mir von dir und deinen Erfahrungen.

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Kommentare: 2
  • #1

    Nina (Montag, 11 Februar 2019 09:39)

    Mein Chef ist als Kind anständig erzogen (mit anderen Worten: misshandelt) worden.Er hat gelernt,widerspruchsloses Gehorchen ist wichtiger als auf sein eigenes Gefühl und seine eigenen Gedanken zu hören oder die Meinung Andersdenkender in Entscheidungen zu intergrieren.Er hat konstruktives Konfliktlösen nie vorgelebt bekommen.Wenn ich mal wieder genervt bin,denke ich an seinen dicken Bauch (Cortisol-Bauch/Apfelform).Der ist das sichtbare Zeichen, dass es ihm nicht gut geht, und dann bin ich traurig statt wütend. Klingt doof, aber damit geht es mir besser und ich kann anders reagieren.

  • #2

    Birgit Schulze - Zufrieden ins Büro (Montag, 11 Februar 2019 11:35)

    Danke Nina für deine Offenheit. Es ist eins von vielen Beispielen, die zeigen, dass wir alle unsere Päckchen mit uns herum tragen und dadurch destruktive Handlungsmuster verinnerlichen.

    Wichtig ist, dass du Lösungen für dich findest, durch die du konstruktiv mit deinem Chef umgehen kannst. Das tust du - in dem du dich auf eine - für mich neue Weise - in ihn einfühlst und ihm damit stille Empathie schenkst. Das verändert etwas.

    Danke dir fürs Teilen deiner Situation.

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Birgit Schulze - Die Wirtschaftsmediatorin
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