Empathiespende rettet Teammeeting: Kleine Übung = große Wirkung

Kommen Sie auch gerade aus dem Urlaub und freuen sich schon auf Ihre erste Teambesprechung? Gibt es da einen Kollegen, der redet und redet und redet? Wird das Meeting dadurch für Sie unendlich lang? Wünschen Sie sich mehr Effizienz in Meetings? Geht nicht? Geht doch. Bei mir geht es heute um die Wirksamkeit von Empathie in Meetings. Die vorgestellte Übung versetzt Sie sofort in die Lage, empathisch mit sich und Ihren Kollegen zu sein und künftig Ihre Meetings effizienter zu gestalten.

 

"Empathie ist doch Gefühlsduselei!",  "Gefühle am Arbeisplatz zeigen? Da kann ich mir ja gleich selbst ins Knie schießen.",  "Gefühle, das ist doch nur was für Frauen. Soll ich jetzt heulen oder was?" denken Sie jetzt vielleicht?

 

Sicherlich achten empathische Menschen auch auf Gefühle. Aber eben nicht nur auf Gefühle. Es geht auch um wertfreies Beobachten einer Situation und um erfüllte und unerfüllte Bedürfnisse. Also wenn Sie der Meinung sind, Empathie hat am Arbeitsplatz nichts verloren, dann lesen Sie einfach weiter.

Was ist denn eigentlich Empathie? 

Empathie ist die Fähigkeit sich in sich selbst oder andere Menschen einzufühlen mit der Bereitschaft, die eigenen Urteile und Interpretationen über die Person oder ihr Verhalten zur Seite zu stellen. 

 

Das wars schon. Klingt das immer noch nach Gefühlsduselei für Sie?  Empathisch zu sein, hat so gesehen überhaupt nichts damit zu tun, Gefühle zu zeigen. Wer empathisch ist, kann sich in andere hineinversetzen, die Situation aus deren Blickwinkel anschauen  und ist in der Lage, die Situation wertfrei zu betrachten. 

 

In meinen Beratungen und Seminaren höre ich öfter: "Aber ich bin doch empathisch. Ich gehe doch voll und ganz auf die andere Person ein und zeige ihr, dass es für mich in Ordnung ist, wie sie handelt." Dann sind Sie sympathisch. In diesem Fall sind Sie gleichzeitig mit Ihrer Aufmerksamkeit bei Ihren eigenen Gefühlen und Bedürfnissen und denen der anderen Person.

 

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Verstehen heisst nicht, einverstanden zu sein.

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Wenn Sie empathisch mit Ihren Kollegen sein möchten, stellen Sie sich zur Klärung folgende Fragen:  "Bin ich ganz präsent bei dem anderen? Vermute ich, wie es ihm gerade jetzt geht? Will ich wissen, ob ich mit meiner Vermutung richtig liege? Bin ich bereit um Rückmeldung zu bitten? Bin ich bereit, meine Urteile über seine Handlungen zur Seite zu stellen?"  Konnten Sie diese Fragen mit "Ja" beantworten? Gratualtion. Sie sind empathisch.

 

Ich finde das sehr entlastend. Und Sie, wenn Sie wissen, Sie brauchen nicht d'accord sein mit Ihren Kollegen, brauchen nicht alles gut finden? Erleichtert Sie das auch? Empathie bedeutet, den anderen zu verstehen, gleichzeitig nicht mit seinen Handlungen und Äußerungen einverstanden zu sein.

 

Und was bringt Ihnen Empathie in einem Meeting? Um in der Sprache der Gewaltfreien Kommunikation zu antworten. Empathie im Meeting bringt: Verbindung, Sicherheit, Effizienz und Wertschätzung. Das sind Bedürfnisse, die wir uns auch am Arbeitsplatz erfüllen können. Aber das sind ja gleich vier Bedürfnisse auf einmal! Ja, es ist ein bisschen wie beim Überraschungsei. Sie wissen vielleicht nicht genau, wie Empathie wirkt. Die Sicherheit, in Verbindung mit Ihren Kollegen zu kommen und eine gewisse Vorfreude auf die Überraschung, was dann passiert, haben Sie auf jeden Fall.

 

Und wie das genau geht, erfahren Sie in der jetzt folgenden Übung.

Übung: Die Empathiespende

Spenden Sie beim nächsten Teammeeting dem Kollegen, der gerne ausgedehnte Redebeiträge bringt Empathie. Holger wird Ihnen für den Verlauf der Übung als ausgedehnter Redner gerne zur Verfügung stehen. Stellen Sie sich Holger vor, wie er redet und redet. Sie beobachten, wie einer Ihrer Kollegen die Augen rollt, eine andere Kollegin etwas auf ihrem Laptop tippt, zwei weitere Kollegen sich flüsternd unterhalten. Sie empfinden das Meeting als Zeitverschwendung. Jetzt ist es Zeit für die Empathiespende:

 

 

  1. Bevor Sie sich Holger empathisch nähern, bleiben Sie zunächst in der stillen Empathie. Fragen Sie sich, wie er sich gerade fühlen mag? Welches Bedürfnis erfüllt er sich durch seinen Redebeitrag? Und welche Bedürfnisse sind möglicherweise gerade unerfüllt?
  2. Wenn Sie Ihre Vermutungen für sich klar haben, stoppen Sie ihn jetzt, indem Sie fragen: "Holger, ist es Dir gerade wichtig, über das Thema XY zu sprechen? Geht es Dir darum (!!!und jetzt vermuten Sie seine unerfüllten Bedürfnisse!!!), dass wir in dem Thema vorankommen? Willst du gesehen werden, mit Deinem Engagement, dass Du bereits in diesem Projekt eingebracht hast?"
  3. Warten Sie ab, wie er reagiert. Geben Sie ihm die Möglichkeit, sich über seine Bedürfnisse klar zu werden.

 

In diesem Beispiel habe ich die Bedürfnisse nach "Vorankommen" und "Gesehen werden" vermutet. Es kann durchaus sein, dass Ihr "Holger" andere unerfüllte Bedürfnisse hat. Überlegen Sie, welches seine Bedürfnisse sein können.

 

Erlauben Sie mir noch zwei Tipps:

 

Erster Tipp: Bleiben Sie unbedingt im Fragemodus, damit Holger die Möglichkeit bekommt für sich zu prüfen,
ob es sich um diese Bedürfnisse handelt.

 

Zweiter Tipp: Nehmen Sie ins nächste Teammeeting eine Bedürfnisliste mit. So haben Sie die Sicherheit schneller auf erfüllte/unerfüllte Bedürfnisse zu kommen. Eine Bedürfnisliste zum Ausdrucken finden Sie hier:

download Bedürfnisliste

Ab jetzt können Sie zur Effizienz und Wirksamkeit Ihrer Meetings aktiv beitragen. Ihre Kolleginnen und Kollegen werden es Ihnen danken.

 

 

Über Ihre Rückmeldung und Erfahrungsberichte freue ich mich. Schreiben Sie mir: Birgit Schulze

 

 

Haben Sie noch 2,5 Minuten Zeit für Empathie? Gerne lade ich Sie ein, das folgende Video anzuschauen, das mir mit freundlicher Genehmigung durch die Sesamstrasse zur Verfügung gestellt wurde. Viel Spass beim Schauen.


Bildquellen: www.pixabay.com und privat


Birgit Schulze - Die Wirtschaftsmediatorin

Mit viel Leidenschaft und noch viel mehr Expertenwissen entwickele ich fließende Kommunikation für junge, schnell wachsende Unternehmen. Durch individuelle Konzepte gestalte ich gemeinsam mit Ihnen Ihre unternehmenseigene Streitkultur.

 

Meine langjährige Erfahrung und mein Wissen als Trainerin für Gewaltfreie Kommunikation, Wirtschaftsmediatorin, Reklamations- und Beschwerdemanagerin, teile ich mit Ihnen in meinem Blog oder gerne live in Workshops und Vorträgen.

 

Möchten Sie mehr erfahren? Sprechen Sie mich an oder schreiben Sie mir:

Telefon: 0 61 51 / 27 38 17

Email: Birgit Schulze


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