Selbst-Empathie versus Selbst-Mitleid – Was ist das eine? Was das andere? Was dich wirklich weiterbringt.

Raus aus dem Selbst-Mitleid-Opfer-Modus > rein in Selbst-Empathie-Wirksamkeit

Anfang Mai war ich auf der Women&Work – dem größten Frauen Messe Karriere Kongress in Europa. Ich fragte meine Standbesucherinnen, ob sie denn zufrieden ins Büro gehen. „Bestimmt nicht. Sonst wäre ich ja nicht hier!“  hörte ich von fast allen meinen Standbesucherinnen.

 

Es gibt viel unterschiedliche Gründe, warum Menschen unzufrieden ins Büro gehen.

  • Unterforderung
  • Überforderung
  • Unfähige Vorgesetzte
  • Intransparente Firmenstrukturen
  • Ungelöste Konflikte
  • Mangelhafte Kommunikation
  • Fehlende Wertschätzung
  • to be continued …

 

Du kannst diese Liste bestimmt auch um weitere Themen ergänzen. Auch ich kenne diese Themen. Aber was bringt die eine solche Aufzählung? Was bringt es dir, weiterhin im Selbst-Mitleid zu schwelgen und dich selbst zum Opfer deiner Büro-Situation zu machen?

 

Wie du hier raus kommst, darum geht es in diesem Blog-Beitrag. Lass uns gemeinsam einen Blick darauf werfen, was

Selbst-Mitleid aus Sicht der Gewaltfreien Kommunikation ist und was es dir bringt, dich mit deinen Gefühlen und Bedürfnisse zu verbinden. 

Selbst-Mitleid – Was ist das eigentlich und was bringt es dir?

Glaubst du, es ist wichtig, die Gründe für deine Unzufriedenheit zu kennen? Ich bin der Meinung, ja. Ja, das ist es. Denn wie sonst, kannst du etwas verändern? Bei den meisten Menschen ist eine Art von Ohnmacht damit verbunden, wenn sie im Selbst-Mitleid schwelgen. Es ist einfach keine Lösung in Sicht ist. Sie glauben, selbst nichts bewegen zu können. „Was kann ich schon tun?“ oder „Wieso soll ich eigentlich was an den Missständen in unserem Unternehmen verändern? Nee, da können sich mal die anderen die Köpfe einhauen. Ist nicht mein Job, habe ich nicht die Kraft, Energie oder Macht dazu, etwas zu verändern.“ „Das muss von oben geklärt werden, ich bin da machtlos.“

 

Wenn du in diesem Denken bist, dann bist du im Selbst-Mitleid. Denn du gibst anderen die Schuld – oder nenn es auch Verantwortung - für deine Gefühle. Du erwartest, dass sie etwas tun, um deinem Leiden ein Ende zu setzen. Bei Selbst-Mitleid, leidest du im wahrsten Sinne des Wortes. Und zwar mit dir selbst. Du findest Gründe, warum es dir schlecht geht. Und bist mit deinen Bewertungen und Gedanken zu deinem Unglück, deiner Unzufriedenheit verbunden. Diese Denke bestätigt dich in deinem Leid.

 

Versteh mich nicht falsch. Selbst-Mitleid ist wichtig. Denn dadurch erkennst du, dass es dir schlecht geht. Und du kannst dich deinem Schmerz, deiner Trauer, deiner Wut hingeben.

Wichtig und hilfreich ist es allerdings, einen Ausweg aus deinem Selbst-Mitleid zu finden.

Damit du raus kommst aus deiner Selbst-Mitleid-Gedankenspirale. Damit du wieder in deine Kraft kommst und Wege

für dich findest, die dir Orientierung geben und dich handlungsfähig machen. Sonst machst du dich selbst zum Opfer. Dauerhaft.

Selbst-Empathie – Was ist denn das überhaupt? Und warum ist das nicht das selbe wie Selbst-Mitleid?

Zugegeben, Menschen, die sich (noch) nicht mit der Gewaltfreien Kommunikation beschäftigt haben, kennen diesen Begriff in der Regel nicht.  Klingt für viele anfangs esoterisch und führt zu Stirnrunzeln. Wenn ich sage: "Mir hilft SELBST-EMPATHIE“  stoße ich oft auf ein irritiertes: „Aha! Und was soll das bitte sein?“, werde ich dann gefragt.

Selbst-Empathie hilft dir, lösungsoffen zu bleiben.

Wir alle sind Lösungs-fokussiert. Eine Lösung für die Gründe deiner Unzufriedenheit zu finden ist aber nicht unbedingt die Lösung für DAS Problem.Bei Selbst-Empathie geht es darum, Verbindung zu dir, deinen Gefühlen und Bedürfnissen herzustellen. 

Kennst du die Geschichte von den Geschwistern, die sich um eine Orange stritten?  „Ich hatte die Orange zuerst!“ schrie die eine, „Nein, ich!“ brüllte die andere. Entnervt ging die Mutter dazwischen, nahm die Orange, teilte sie in zwei Hälften und gab jedem der Kinder je eine Hälfte. Irritiert saßen die beiden Geschwister neben einander, jede mit einer Orangenhälfte in der Hand. Da fragte die eine: „Mama, warum hast du das gemacht?“ „Ich habe gesehen, wie ihr euch um die Orange gestritten habt und dachte, es sei gut, sie in zwei Hälften zu teilen, dann ist die Orange gerecht aufgeteilt.“Aber ich hätte doch nur die Schale gebraucht, um sie abzureiben, für den Kuchen, den ich später backe.“ „Und ich wollte die Orange auspressen und Saft daraus machen.“, fügte die andere Tochter hinzu.

 

Du siehst, die Lösung, die die Mutter im Sinn hatte, war nicht die Lösung, die die Töchter für ihr Problem gebraucht hätten. Nicht die naheliegendste Lösung ist die, die einen Konflikt oder ein Problem löst, sondern die Lösung, die deine Bedürfnisse und gleichzeitig die Bedürfnisse der anderen Beteiligten im Blick hat. Im Orangenbeispiel ging es der Mutter vermutlich um Ruhe und Frieden. Den Töchtern ging es um ? Tja, um was ist es den beiden gegangen? Klarheit/Verstehen, Autonomie, Kreativität, Beitragen? Das können wir hier nur vermuten.

 


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Warum Selbst-Mitleid zwar hilfreich ist ...

Selbst-Mitleid ist eine prima Strategie, um die Verbindung zu dir selbst herzustellen. Nimm es als Notfall-Signal, dir und deinem Problem Raum zu geben. Dadurch schenkst du dir selbst die Aufmerksamkeit, die dir gerade keine andere Person bereit ist zu schenken. Und dadurch kommst du tiefer mit deinem Schmerz in Kontakt.

 

Wenn du beispielsweise denkst: „Ich bin hier doch total überfordert! Sieht das denn keiner, und warum hilft mir denn keiner?!?!“, dann schwelgst du im Selbst-Mitleid. Du leidest im wahrsten Sinne des Wortes. Selbst-Mitleid ist auch immer mit Bewertungen, Beschuldigungen verbunden. Du jammerst vor dich hin und bist in einer Opfer-Haltung.

Warum Selbst-Einfühlung dich allerdings wirklich weiter bringt.

Durch Selbst-Einfühlung nimmst du Kontakt zu deinen Gefühlen und Bedürfnissen auf. Du spürst in dich hinein und gehst deinen Gefühlen auf den Grund. Dadurch findest du direkten Zugang zu deinem unerfüllten Bedürfnis. In der Gewaltfreien Kommunikation gehen wir davon aus, dass alle Menschen dieselben Bedürfnisse haben. Wir allerdings unterschiedliche Strategien wählen, um sie uns zu erfüllen. Streit, Konflikte, Probleme finden auf der Strategien-Ebene statt. Nicht auf der Bedürfnis-Ebene. Daher bringt es dich weiter, mit deinen Gefühlen und Bedürfnissen in Kontakt zu kommen.

Im Organgen-Beispiel könnte dies so aussehen:

Mutter bemitleidet sich selbst:

 

„Jetzt streiten sich die beiden schon wieder. Diesmal um eine Orange. Das gibt es doch nicht! Immer streiten sich die beiden um irgendwas! Ich halte das nicht mehr aus! Ich weiß einfach nicht, was ich noch machen soll.“

 

Pause

 

„Ich könnte mich jetzt in mich selbst einfühlen, um herauszubekommen, worum es mir geht.“

 

Mutter gibt sich Selbst-Empathie:

 

„Ich bin genervt (Gefühl) davon, dass sich die beiden um die Orange streiten (Beobachtung). Ich hätte so gerne Ruhe (Bedürfnis). Und ehrlich gesagt bin ich ratlos (Gefühl), weil ich so gar nicht verstehe, um was es den beiden wirklich geht. (Bedürfnis=Klarheit/Verstehen).

 

Will ich denn überhaupt verstehen, um was es geht? (Bedürfnis=Klarheit)

 

Ja, ich merke, dass ich Sorge (Gefühl) habe, dass der Streit weiter eskaliert und hinterher das Geschrei noch größer ist. Ich frage mal nach, ob es okay ist, wenn ich die Orange teile.“ (= 4. Schritt in der GFK = Bitte).

Mutter gibt sich Selbst-Empathie:

 

„Ich bin genervt (Gefühl) davon, dass sich die beiden um die Orange streiten (Beobachtung). Ich hätte so gerne Ruhe (Bedürfnis). Und ehrlich gesagt bin ich ratlos (Gefühl), weil ich so gar nicht verstehe, um was es den beiden wirklich geht. (Bedürfnis=Klarheit/Verstehen).

 

Will ich denn überhaupt verstehen, um was es geht? (Bedürfnis=Klarheit)

 

Ja, ich merke, dass ich Sorge (Gefühl) habe, dass der Streit weiter eskaliert und hinterher das Geschrei noch größer ist. Ich frage mal nach, ob es okay ist, wenn ich die Orange teile.“ (= 4. Schritt in der GFK = Bitte).

 

Warum es so hilfreich ist, dir über deine Absicht, mit der du kommunizierst, klar zu sein.

Wenn du deine Absicht klar formulierst, dann bist du mit großer Wahrscheinlichkeit auch mit deinem Bedürfnis  verbunden. Im Organgen-Fall hat sich die Mutter dazu entschlossen, sich in sich selbst einzufühlen. Sie nutzte ihr Selbst-Mitleid als „Notfall-Signal“.

 

Es gibt viele Zeichen, die du nutzen kannst, um dich an den Prozess der Selbst-Einfühlung zu erinnern. Wichtig ist,

dass du dich aktiv dafür entscheidest. Und du dir über deine Absicht im Klaren bist. Denn durch eine klare Absicht, schaffst du für dich selbst die Sicherheit dich im Selbst-Mitleids-Modus an deine Gefühle und Bedürfnisse zu erinnern.

Warum es so hilfreich ist, die eigenen Bedürfnisse zu kennen.

Durch deine klare Absicht, sorgst du gleichzeitig für Klarheit bei anderen.  In der GFK gehen wir davon aus, dass wir uns mit jeder Handlung, Aussage, Aktion, ein oder mehrere Bedürfnisse erfüllen. Kenne ich mein Bedürfnis, dann kann ich es auch benennen. Und ich kann mir Strategien überlegen, wie ich mir das Bedürfnis erfüllen möchte.

 

Im Orangen-Beispiel ging es der Mutter um Ruhe. Und durch Ihre Intervention – die Orange in zwei Hälften zu teilen, versuchte sie sich, dieses Bedürfnis nach Ruhe zu erfüllen. Das war vordergründig unerfüllt. Gleichzeitig sah sie ihre beiden Töchter im Streit. Die wussten vermutlich gerade nicht, welches Bedürfnis unerfüllt war. Durch das Teilen der Orange wurde deutlich, um was es den beiden wirklich ging. Gewollt oder ungewollt, unterstützte die Mutter die beiden dabei, für sich Klarheit zu bekommen und dadurch konnte Ruhe für alle drei hergestellt werden. 

Der größte Fehler bei Selbst-Empathie

Selbst-Einfühlung bringt dich mit deinem unerfüllten Bedürfnis in Kontakt. Durch diese Erkenntnis gelingt es dir, Wege für dich zu finden, wie du jetzt mit dem Konflikt umgehen kannst. Immer wieder erlebe ich es, dass Menschen glauben, wenn sie ihr unerfülltes Bedürfnis gefunden haben, reicht es diese Erkenntnis, um sofort mit einer Bitte, eine Lösung zu kreieren. Dabei wird oft vergessen, dass andere am Konflikt beteiligte, diesen Selbst-Einfühlungsprozess noch nicht durchlaufen haben. Und dazu vermutlich auch nicht in der Lage sind. Daher ist es sinnvoll, dir über die Absicht, deines nächsten Schrittes klar zu werden. Geht es dir um eine schnelle Lösung? Oder ist deine Absicht Verbindung herzustellen?

 

Der größte Fehler ist aus meiner Sicht, dass wir der Selbst-Einfühlung sofort auf andere zugehen, um zu schauen, wie wir uns jetzt sofort dieses unerfüllte Bedürfnis erfüllen. Bleib bei dir und schaue während des Prozesses nicht schon darauf, wie du mit anderen in Kontakt treten möchtest.


 

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Selbst-Empathie machst du nur für dich.

Für niemanden anderen. Und niemals mit der Absicht, eine Lösung zu finden – höchstens mit der Lösung, deinem unerfüllten Bedürfnis auf die Spur zu kommen. Wenn sich eine Lösung ergibt - gut. Wenn sich keine Lösung ergibt - genauso gut. Die Erkenntnisse aus der Selbst-Empathie gehören dir. Dir ganz allein. Und die musst du mit niemandem auf der Welt teilen. Daher entscheidest du auch am Ende, ob du wirklich mit deinen Mitmenschen in Kontakt gehen möchtest oder nicht. Und du entscheidest, wie. Denn jetzt hast du die Möglichkeit des Selbst-Ausdrucks oder die, des Empathie-Schenkens.

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Birgit Schulze - Die Wirtschaftsmediatorin
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Mit viel Leidenschaft und noch viel mehr Expertenwissen begleite ich Menschen dabei, zufrieden ins Büro zu gehen, so dass sie die anstehenden Aufgaben erfolgreich und mit Freude ausführen. Meine langjährige Erfahrung als Wirtschaftsmediatorin für Teams, Scrum Masterin und Change- und Beschwerdemanagerin, teile ich mit dir in meinem Blog oder gerne live in Workshops und Vorträgen.

 

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