Eigenlob stinkt? Dann ab unter die Wertschätzungsdusche

"Das hast Du heute wieder gut gemacht" *klopf auf die Schulter* "Birgit Du bist die Beste, Größte, Schönste, Tollste..."  Endlich mal jemand -auch wenn ich es selbst bin -, die erkennt, wie toll ich doch bin. ... Momentmal, riechst du das auch? auch? Hier riecht es gerade so komisch, äh, wo war gleich noch die Seife? Schnell unter die Dusche, unter die Wertschätzungsdusche.

 

Ohne Eigenlob geht es nicht? Das braucht es doch manchmal, denkst du jetzt vielleicht. Denn wenn ich mich nicht lobe, wer denn dann? "Birgit, Du bist die Größte, Schönste, Beste...?",  "Dir kann einfach keiner das Wasser reichen ... " Solche Lobeshymnen und Komplimente machen auf Dauer einsam.

 

Denn wenn ich mich selbst so weit oben auf einen Sockel stelle,
verliere ich zum einen die Bodenhaftung und

zum anderen die Verbindung zu meinen Mitmenschen.

Und wie ist das mit Lob von außen?

Lob stinkt auch, oder? Ja, ich bin voll bei dir, wenn du der Meinung bist, dass plattes Lob, Komplimente oder bloße Zustimmung manipulativ ist.

 

Wenn ich nur lobe, damit der andere es genauso macht, wie ich es will oder weil ich es so richtig und schön finde, dann unterwerfe ich diese Person meinen persönlichen Vorstellungen. Dann geht es mir darum, dass der andere so funktioniert, wie ich es will.

Und wenn andere mich so platt loben, mache ich es in deren Augen besonders gut. Ich passe zu deren Vorstellung von einem funktionierenden Menschen. "Das hast Du aber schön gemacht" oder "Also, so wie Sie das machen, kann das sonst keiner!"  und sofort renne ich los und hechele dem nächsten Lob hinterher.

 

Da geht es um "richtig" und "falsch" und um "gut" und "schlecht". So viele Lobe und Komplimente, dass ich satt werde, gibt es überhaupt nicht. Anders gesagt, ich mache mich selbst abhängig von dem Lob und der Meinung anderer Menschen.

Selbstverständlich ist nicht jedes Lob, jedes Kompliment oder auch Zustimmung manipulativ gemeint.

Es ist sogar meistens ein Versuch, Wertschätzung auszudrücken.

Das Platte daran ist dann bedauerlicherweise, dass es bei einer Beurteilung und Bewertung der Person oder ihres Verhaltens bleibt. Welcher Aspekt genau lobenswert ist und welche Auswirkungen die Handlung oder die Person auf mein Leben bewirken, das mache ich mir als Lobende nicht klar. Unklar bleibt es dann übrigens auch für die gelobte Person.


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Wertschätzung. Wie geht das denn jetzt?

Hast du schon einmal eine echte Wertschätzung bekommen? Oder sogar gegeben? Ja? Wie schön. Dann kennst du das innere Strahlen, das damit einher geht. Die Freude, die entsteht, wenn du merkst, dass die andere Person mit ihrem Beitrag, ihrem Engagement gesehen wird.

 

Bei echter Wertschätzung geht es darum, jemandem zu sagen, wie wertvoll er oder sie für mich ist.

Oder noch besser. Es sagt mir  jemand, wie wertvoll ich bin.  Zu hören, dass ich wichtig bin oder bereichernd oder einfach nur so wie ich bin, in Ordnung bin, das tut doch gut.

 

Auch du freust dich sicherlich darüber, zu hören, dass du eine Sache so erledigt habst, dass auch andere etwas davon haben. Oder, dass du eine Stimme hast, die so klar ist, dass es eine Freude ist, dir zuzuhören, oder dass du das letzte Meeting so organisiert habst, dass es effektiv und wirkungsvoll für alle Beteiligten war.

 

Jemand anderem seine Wertschätzung auszudrücken ist unglaublich verbindend und bereichernd und wirkt motivierend. Aber nur dann, wenn es auch von Herzen kommt.

 

In der Gewaltfreien Kommunikation unterscheiden wir Zustimmung, Lob und Komplimente von Wertschätzung.

Bei Zustimmung, Lob und  Komplimenten bewerte oder beurteile ich die Person oder ihre Handlung. Ich gebe die Zustimmung, das Lob oder Kompliment auf der Kopfebene und sage nichts über meine erfüllten Bedürfnisse. Ich kann mir die Frage stellen, ob es in meiner Absicht steht, andere dazu zu bewegen, das zu tun, was ich will. Oder will ich einfach nur meine Bewertung ausdrücken? Wenn das so ist, dann ist es auch völlig in Ordnung, nur eben keine Wertschätzung.

 

Bei der Wertschätzung teile ich meine Beobachtung, mein Gefühl zur Situation und mein erfülltes Bedürfnis mit. Ich kann mir die Frage stellen, ob ich in der Absicht unterwegs bin diese Aspekte mitzuteilen. Wenn ja, nutze ich drei der vier Schritte aus der Methode der Gewaltfreien Kommunikation. Beobachtung, Gefühl und Bedürfnis.

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Echte Wertschätzung kommt von Herzen und ist bedingungslos.

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 "Birgit, wenn ich sehe, dass Du heute morgen schon den ganzen Berg an Anfragen bearbeitet hast, dann bin ich darüber sehr erfreut, weil es mein Bedürfnis nach Beitragen und Entlastung erfüllt."  Das war GFK-Sprache.  Und jetzt nochmal alltagstauglich: "Birgit, Du hast heute morgen schon den ganzen Berg an Anfragen bearbeitet. Ich freue mich darüber sehr, denn so konnte ich mich anderen ebenfalls wichtigen Aufgaben widmen."

 

Geschenke, Geschenke, Geschenke

Und wenn du das nächste Mal wieder ein Lob bekommst, sieh es als Geschenk an und frage einfach nach.

 

Was genau hat dir gefallen? Wie fühlst du dich damit? Welches Bedürfnis erfüllt sich dir dadurch?

 

Teile deine Freude über diese Wertschätzungsdusche und sage der Person, wie es dir mit dieser Wertschätzung geht.

 

Du unterstützt deine Mitmenschen auf diese Weise ganz leicht und automatisch dabei, das Lob in eine echte Wertschätzung zu verwandeln.

 

Und jetzt ab in die Dusche ...

Greif zum Duschkopf, dreh voll auf und wertschätze was das Zeug hält. Lass es so richtig schäumen. Gib dir selbst Wertschätzung dafür, was du heute schon geleistet hast.

 

Dir fällt nichts ein? Dreh die Wertschätzungsdusche noch weiter auf.

 

Denke an gestern oder vorgestern. Wertschätze dich dafür, dass du heute morgen Frühstück für deine Lieben zubereitet hast, dass du gestern deine Mutter angerufen hast und ein nettes und verbindendes Gespräch mit ihr führen konntest.

 

Gib dir selbst Wertschätzung dafür, dass du im Büro morgens die erste bist und deinen Kollegen den Kaffee kochst. Vielleicht hast du als Kind einer alten Dame die Einkaufstüten getragen? Wertschätze dich jetzt dafür. Oder du hast deine letzten Gummibärchen mit deiner Freundin geteilt? Wertschätze dich dafür.

 

Wertschätze ebenfalls deine Mitmenschen. Vielleicht deinen Sohn, der heute morgen ganz allein seinen Ranzen gepackt hat oder deine Vorgesetzte, die dir ein neues Projekt übertragen hat oder deine Arbeitskollegin, die dir in der Mittagspause einen Kaffee spendiert hat.

 

Suche nach kleinen und auch großen Situationen, in denen du dich selbst und andere wertschätzen kannst. Gehe so oft wie du möchtest unter die Wertschätzungsdusche. Keine Sorge, dies schadet weder deiner Haut noch deiner Persönlichkeit. Im Gegenteil: Dusch dich und andere mehrmals täglich und du wirst merken, dass Wertschätzung nach innen und auch nach außen wirkt. Geruchsfrei. Versprochen.

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Kommentare: 2
  • #1

    Marco (Mittwoch, 22 Oktober 2014 08:34)

    Wow - toller Beitrag!
    Mir hat besonders die Erklärung der Unterschiede zwischen Wertschätzung, Lob, Zustimmung und Kompliment geholfen. Ich war auf der Suche nach dem Begriff der Wertschätzungsdusche, den neulich jemand verwendet hat. Ich wollte wissen, was genau das sein kann. Hier bin ich fündig geworden. Danke!

  • #2

    Birgit Schulze (Mittwoch, 22 Oktober 2014 08:56)

    Hallo Marco,
    danke für die Wertschätzung. Ich freue mich, wenn ich zu Deiner Klärung beitragen konnte.
    Viel Spass und Verbindung beim Wertschätzungsduschen.
    Liebe Grüße Birgit