Wie Sie durch Selbsteinfühlung Energiesparen und zwar in alltäglichen Momenten. Neulich beim Bäcker ...

Wer kommt als nächstes?

Auf dem Weg zu einem Termin, stand ich morgens in einer Bäckerei an. Vor mir waren genau zwei Kundinnen im Laden. Die eine wurde gerade bedient, die andere wartete so wie ich. "Wer kommt als nächstes?", fragte eine weitere Verkäuferin.


Inzwischen hatte noch ein älterer Herr den Laden betreten und er fühlte sich sofort angesprochen. Er gab seine Bestellung auf.


Die Kundin vor mir wurde unruhig, sie schien irritiert, was der Verkäuferin nicht entging. Fragend ließ diese den Blick über die Kundschaft gleiten und blieb achselzuckend bei mir hängen. Ich antwortete: "Die Dame vor mir ist dran, sie kommt als nächstes".


Inzwischen war die andere Verkäuferin auch wieder frei und fragte ebenso: "Wer ist der nächste?" Wieder gab der ältere Herr seine Bestellung auf.

 

Ich gebe zu, ich war verdutzt. "Das muss er doch mitbekommen haben, dass ich auch schon vor ihm im Laden war. Hat der denn keine Augen im Kopf? " wütete es in meinem Kopf. Schließlich fragte ich mich "Um was geht es mir denn jetzt?"

Ich fühlte mich in mich selbst ein

Was war mein Bedürfnis in dieser Situation? Gesehen werden wollte ich und zwar nicht nur von den Verkäuferinnen, sondern auch von diesem älteren Herren. Und das alles schön der Reihe nach geht und jeder dann bedient wird, wenn er dran ist. Dies erfüllt mein Bedürfnis nach Ordnung/Struktur.

 

Die Dame vor mir drehte sich in diesem Moment um und sagte mit einem verschwörerischen Lächeln: "Der ist vielleicht schwer hörig oder hat es eilig, schließlich ist es ein Rentner und die haben ja bekanntlich kaum Zeit."

 

Ja, vielleicht war es so. Vielleicht war er schwerhörig und hatte kaum Zeit. Ich schaute ihn mir an und stellte fest, dass er nicht sehr groß war. Ich bin 1,66 m und er war bestimmt noch eine halben Kopf kleiner als ich. Vielleicht ging es ihm auch darum gesehen und wahrgenommen zu werden? Wer weiss, welche Erfahrungen er schon in Läden gemacht hat und wie oft er übersehen wurde?

 

Dieser kurze Moment der Selbstempathie und Empathie für diesen älteren Herren ließ mich zu dem Schluss kommen, dass es für  mich in Ordnung war, wenn er vor mir bedient würde. Ich hatte zwar einen Termin, gleichzeitig noch ausreichend Zeit, um pünktlich zu kommen.

Meine Bedürfnisse erfüllten sich auf wunderbare ganz andere Weise

Mein Bedürfnis nach "Gesehen werden", erfüllte mir die Dame vor mir und auch die Verkäuferin, die mir mit Blicken und Schulterzucken signalisierte, dass Sie mich gesehen hat. Ordnung/Struktur erfüllte ich mir bereits in vielen anderen Lebensbereichen selbst. Das muss ich mir nicht zwingend beim Bäcker erfüllen.

 

Klar hätte ich mich auch aufregen können. Mir ist es inzwischen jedoch viel wichtiger, meine Energie nicht in solchen Situationen zu verbrauchen, sondern sie gezielt für das zu nutzen, was mir wirklich wichtig ist.

Daher bin ich auch so dankbar für die vielen alltäglichen Situationen, die mir helfen, mich immer wieder aufs Neue mit meinen Gefühlen und Bedürfnissen zu verbinden. Sei es, dass ich mir Selbsteinfühlung gebe, sei es, dass ich meinen Mitmenschen Einfühlung gebe.

Übung: Der nächste Bitte ...


Für Sie habe ich genau für solche alltäglichen Situationen eine kurze Übung zusammen gestellt.


Durch diese Übung bleiben Sie mit sich, ihren Gefühlen und Bedürfnissen verbunden. Sie sparen Energie, die Sie sicherlich für wertvollere Momente einsetzen können.


  1. Erinnern Sie sich an eine Situation, von der Sie glauben, Sie wurden übersehen.
  2. Was genau ist passiert. Formulieren Sie Ihre Beobachtung.
  3. Wie haben Sie sich gefühlt? Waren Sie verdutzt, verwundert, irritiert, wütend, ärgerlich, genervt ...?
  4. Welches Bedürfnis war bei Ihnen in diesem Moment nicht erfüllt? Was hätten Sie gebraucht?
  5. Formulieren Sie eine Bitte an sich selbst oder an andere Personen, um in einer ähnlichen Situation künftig einfühlsam zu reagieren.

In welchen Situationen glauben Sie, dass Sie übergangen wurden? Schreiben Sie es mir und meinen Leserinnen und Lesern in einem Kommentar. Gerne unterstütze ich Sie dabei, diese Situation einfühlend zu betrachten.

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