Blogserie Gewaltfreie Kommunikation fürs Büro (3): Gefühle, Gefühle, Gefühle

Zwei unterschiedliche Gefühlsituationen

  1. Stell dir eine Vertrieberlin vor, die gerade einen Abschluss erzielt hat, auf den sie lange und mit viel Unterstützung durch ihr Team hingearbeitet hat. Sie freut sich sehr. Ihre Freude drückt sie durch Wertschätzungsemails aus, lädt ihre Mitarbeiter zu einer spontanen kleinen Feier ein und stößt auf den Abschluss mit allen Beteiligten an. Sie freut sich und verleiht ihrer Freude Ausdruck.
  2. Oder stell dir einen Projektleiter vor, der eben erfahren hat, dass ein wichtiger Meilenstein nicht gehalten werden kann. Er geht nicht einfach zur Tagesordnung über. Der Schock über die Nachricht verschlägt ihm vermutlich erst einmal die Sprache. Auch das ist ein Ausdruck von Gefühl. Sprachlosigkeit oder Schockstarre.

 

Darf eine Vertrieblerin ihrer Freude am Arbeitsplatz Ausdruck verleihen? Darf ein Projektleiter seine Schockstarre oder Sprachlosigkeit zeigen?

Gefühle am Arbeitsplatz – ein Widerspruch?

Wenn du mich fragst? Nein. Du bist ein Mensch. Du hast Gefühle. Nur weil du in einem Unternehmen arbeitest, kannst du deine Gefühle nicht wie einen Mantel ausziehen und morgens an der Garderobe abgeben.Gefühle sind in uns drin, entstehen in uns durch unterschiedliche Auslöser und begleiten uns unser Leben lang. Dies gilt ebenso für deine Mitmenschen.

 

Durch äußere Einflüsse (kulturelle, erzieherische, Vorbilder …) haben wir es gelernt unsere Gefühle in bestimmten Situationen zu kontrollieren oder auch dauerhaft zu ignorieren. Bei uns selbst und auch bei unseren Mitmenschen.

 

Gefühle sind Wegweiser zu erfüllten und unerfüllten Bedürfnissen

In meinen Coachings und Seminaren erlebe ich immer wieder, dass Gefühle zeigen mit Weichheit oder Gefühlsduselei gleich gesetzt wird. Die Angst, es könnte ein Kollege heftige Gefühle zeigen, ist oftmals die Angst davor, nicht angemessen darauf reagieren zu können.

 

Unterstütze ich meine Klienten dabei, Gefühle als Hinweis auf Bedürfnisse zu sehen, löst sich die Angst davor auf. Sie fühlen sich in solchen emotionalen Situationen sicherer.

Schlüsselunterscheidung: Auslöser für Gefühle - Ursache für Gefühle

Auslöser für Gefühle ...

... sind Ereignisse, durch die unsere Bedürfnisse erfüllt oder nicht erfüllt sind. Wenn ich "Auslöser" von "Ursache" unterscheiden kann, bin ich nicht mehr Opfer (Opfer der Ereignisse, von den Handlungen anderer abhängig, ...). Ich kann Wege finden, mir meine Bedürfnisse zu erfüllen, ohne dem Auslöser Verantwortung für meine Gefühle zu geben. Dadurch habe ich Handlungsfreiheit.

 

Bin ich mir bewusst, dass ich erfüllte/unerfüllte Bedürfnisse hinter meinen Gefühlen in dieser konkreten Situation habe?

Ursache für Gefühle ...

... sind erfüllte oder unerfüllte Bedürfnisse. Ich übernehme die Verantwortung, Auslöser und Ursache für meine Gefühle zu unterscheiden und meine Bedürfnisse zu erfüllen.

 

Welche Bedürfnisse sind erfüllt/unerfüllt? Bin ich mir bewusst, dass meine Gefühle von meinen Bedürfnissen verursacht werden?

Übung: Gegenwart

Schließe deine Augen und spüre in dich hinein. Was spürst du? Kannst du dein Gefühl benennen? Wie würdest du es bezeichnen? Wo in deinem Körper spürst du es?

 

Finde heraus, welches Bedürfnis für dich in Zusammenhang mit diesem Gefühl gerade erfüllt oder unerfüllt ist.

 

Wiederhole  diese Übung mehrmals täglich in verschiedenen Situationen, z.B. wenn du morgens ins Büro kommst, während einer Besprechung, nach einem wichtigen Telefonat, vor einer Sitzung oder kurz vor Feierabend.

 

Zur Unterstützung findest du auf http://www.birgitschulze.com/aktuelles/downloads/ eine Gefühlsliste zum Aufbau deines Gefühlswortschatzes.

 

Diese Übung und die Schlüsselunterscheidung stammen aus: Das große Praxisbuch zum wertschätzenden Miteinander – 101 Übungen zur Inspiration Ihrer Seminare und Gruppen auf Basis der Gewaltfreien Kommunikation.


Was ist für Sie ein passender Zeitpunkt diese Übung durchzuführen? Teilen Sie es mit mir und meinen Leserinnen und Lesern in einem Kommentar.


Bildquelle: www.pixabay.de und Birgit Schulze und Yo Rühmer

 


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Birgit Schulze - Die Wirtschaftsmediatorin
© Foto Hirch Darmstadt

Mit viel Leidenschaft und noch viel mehr Expertenwissen begleite ich Menschen dabei, zufrieden ins Büro zu gehen, so dass sie die anstehenden Aufgaben erfolgreich und mit Freude ausführen. Meine langjährige Erfahrung als Wirtschaftsmediatorin für Teams, Scrum Masterin und Change- und Beschwerdemanagerin, teile ich mit dir in meinem Blog oder gerne live in Workshops und Vorträgen.

 

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