Blogserie Gewaltfreie Kommunikation fürs Büro (5): Stille Empathie nur für mich

Sie müssen nicht Buddah sein, um empathisch zu handeln

Oftmals höre ich Menschen, die ich begleite sagen, Empathie am Arbeitsplatz, das geht doch nicht. Wie soll das funktionieren? Wenn ich empathisch reagiere, dann verlieren wir viel Zeit und außerdem, es geht doch um sachliche Themen ...

Morgens im Büro

Eine Kollegin, nennen wir sie Frau Fröhlich, kommt morgens ins Büro, reisst die Tür auf, trällert ein fröhliches "Guten Morgen" in die Runde und fängt an von ihrem gestrigen Tag zu erzählen. Sie bemerkt nicht, dass die anderen vertieft sind in ihre Arbeit und die Augen verdrehen.

 

Frau Arbeitsam ist genervt von Frau Fröhlich. Sie sitzt an ihrem Schreibtisch und ist vertieft in ihre Arbeit. Jeden Morgen wird sie von Frau Fröhlich unterbrochen und hört sich Geschichten an, die sie überhaupt nicht hören möchte. Sie ist ratlos, denn sie hat keine Idee, wie sie Frau Fröhlich sagen kann, dass sie aufhört damit, ohne dass ein großer Konflikt droht.

 

Frau Arbeitsam hat vor kurzem einen GFK Einführungskurs besucht. Sie erinnert sich an die vier Schritte. Beobachtung - Gefühl - Bedürfnis - Bitte. Und es gab den Hinweis zur "Stillen Einfühlung." Frau Arbeitsam beginnt sich still in sich selbst einzufühlen.


Da leider nicht immer jemand bei uns sein kann, um uns empathisch zu begleiten, kann es hilfreich sein, sich mit dem Prozess der "Stillen Empathie" vertraut zu machen. So können Sie sich selbst oder anderen Menschen jederzeit ohne, dass es von außen sichtbar ist, Empathie geben.

Der Nutzen stiller Empathie

In dieser Blogserie befasse ich mich mit dem Einsatz und Nutzen der Gewaltfreien Kommunikation am Arbeitsplatz. Mir ist es wichtig den Fokus darauf zu lenken, was gerade los ist. Mit los meine ich, wie es mir in einer bestimmten Situation geht.

 

Durch stille Empathie kann ich erkennen, welches Gefühl da gerade in mir aktiv ist. Bin ich vielleicht wütend, frustriert, genervt oder froh und beschwingt? Das Gefühl zu erkennen und für mich zu benennen dient als Wegweiser zu meinen Bedürfnissen. Was brauche ich jetzt wirklich? Um was geht es mir? Bin ich gerade genervt und verärgert, dann könnte es sein, dass mein Bedürfnis nach "Gesehen werden" nicht erfüllt ist. Vielleicht ist geht es auch um die Erfüllung des Bedürfnisses nach "Entwicklung"?

 

Wofür das gut sein soll? Das Erkennen und Wahrnehmen meines unerfüllten Bedürfnisses verhilft mir, darüber klar zu werden was ich wirklich brauche. Und es unterstützt mich dabei, meine Bitte zur Erfüllung des Bedürfnisses auf eine Weise zu formulieren, die der andere leichter vorwurfsfrei hören kann.

Frau Arbeitsam und die stille Selbstempathie

 

Beobachtung: 
"Wenn morgens Frau Fröhlich ins Büro kommt und mir von ihrem Tag erzählt, dann ...

 

Gefühl:

... werde ich echt sauer, denn ich bin total genervt davon. ...


Bedürfnis:

... Ich brauche Ruhe und will arbeiten. Und außerdem will ich selbst entscheiden, wann ich mich mit wem unterhalte. ...


        Bitte:

            .... Heute in der Mittagspause spreche ich Frau Fröhlich dazu an und sage ihr, dass ich Ruhe brauche.
           Und dann frage ich sie, was sie von mir gehört hat."

Übung: Stille Selbstempathie fürs Büro

  1. Denken Sie an eine (wiederkehrende) Situation an Ihrem Arbeitsplatz, in der sie genervt, verärgert, frustriert oder enttäuscht waren.
  2. Was genau ist passiert, dass Sie in diesen Gefühlszustand kamen. Beschreiben Sie die Situation so, als betrachteten Sie diese durch ein Kamera objektiv. Was können Sie sehen, hören, fühlen, schmecken? Nutzen Sie Zahlen, Daten und Fakten zur Situation.
  3. Wie fühlten Sie sich? Bleiben Sie einen Moment bei Ihrem Gefühl und spüren Sie dem nach.
  4. Welches Bedürfnis war bei Ihnen in diesem Moment unerfüllt?
  5. Formulieren Sie Ihre Bitte zur Erfüllung dieses Bedürfnisses. Es kann eine Bitte an sie selbst sein oder eine Bitte an eine andere Person.

 

Wiederholen Sie diese Übung so oft Sie mögen.

Wie kommen Sie bleiben Sie mit sich selbst in Kontakt? Schreiben Sie es mir in einem Kommentar.

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